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02.12.2014 - 
"Einstellung hat sich geändert": Zahlungsmoral der Geretteten oft mangelhaft

von Maria Riedler / ÖBRD Salzburg

Menschen wollen aus Bergnot gerettet werden, sind aber sehr häufig nicht versichert, und so endet die Dankbarkeit spätestens beim Erhalt einer Rechnung.

Der Salzburger Landesleiter Estolf Müller zeigt sich besorgt über die zunehmend schlechte Zahlungsmoral bei Menschen, die sich nicht versichert haben. Bild @Bergrettung Salzburg

Material und Ausrüstung kosten Geld, in die Ausbildung wird zusätzlich Zeit investiert. Bild @Gerhard Grassmann / Bergrettung NÖ/W

Mehr als 11.000 Frauen und Männer sind in ganz Österreich als Bergretter aktiv. Bild @ Elisabeth Etzler / Bergrettung NÖ/W

Besonders Sucheinsätze erfordern zumeist einen hohen Personal und Zeitaufwand. Bild @ Bergrettung Salzburg

In der Bergrettung gibt es auch viele hoch spezialisierte Ausbildungen wie die Lawinen- und Suchhundestaffel der Bergrettung, Canyoningspezialisten oder Peers für Notfälle, deren ständige Aus- und Weiterbildung finanziert werden müssen. Bild @ Bergrettung Salzburg

"Die Einstellung zum Bergsteigen hat sich geändert", so der Landesleiter der Bergrettung Salzburg, Estolf Müller. "Früher war Bergsteigen Sport der Individualisten mit Verständnis für das alpine Gelände. Heute suchen die Menschen immer mehr rein das sportliche Erlebnis. Sie wollen dabei aber kein Risiko in Kauf nehmen oder ignorieren unbewusst oder bewusst alpine Gefahren."

Und so ist die alpine Notrufnummer 140 bzw. die 144 - Notrufnummer des Roten Kreuzes oder die 112 - die europäische Notrufnummer, eine der am häufigsten gewählten Nummern. Hier wird Hilfe für Leib und Leben gesucht. Wo immer die Gesundheit oder das Leben von Bergsportlern bedroht sind, ist die Bergrettung unermüdlich und ehrenamtlich unterwegs. Allein in diesem Jahr sind in Österreich bereits 148 Menschen tödlich verunglückt und es werden jährlich von der Bergrettung immer mehr verletzte oder unverletzte Bergsportler geborgen.

Heuer waren es bereits über 5.342 Einsätze mit rund 64.000 Einsatzstunden von über 25.000 Bergrettern. Allein bei den boomenden Klettersteigen ist dieser Anteil um mehr als hundert Prozent gewachsen. "Gerade zu Zeiten von Notrufhandys und Hubschraubern trauen sich die Menschen zum Beispiel am Klettersteig mehr zu und können dann oft nicht mehr weiter", meint Estolf Müller. "Wenn sie dann weder vor noch zurück können, zücken sie ihr Handy und rufen die Bergrettung an, die hat ja jederzeit zur Verfügung zu stehen."

Auch Wanderer, die sich nicht unbedingt als Bergsportler verstehen, wie auch Schwammerlsucher, Mountainbiker, Paragleiter, Rodler, Skifahrer oder Jäger, können rasch in den Bergen durch einen Unfall oder aus gesundheitlichen Gründen, dringende Hilfe benötigen. An sich kein Problem - wenn die Kosten nicht wären.

Dankbarkeit endet mit Rechnung
Denn wenn diese Freizeitsportler nicht versichert sind, dann können hohe Kosten drohen. Oft ist auch - aus Wetter-, Zeit- oder geografischen Gründen -, der gemeinsame Einsatz von Bergrettung und Hubschrauber nötig. Die Dankbarkeit der Geretteten endet zumeist, wenn sie in Sicherheit sind und wenn eine Rechnung kommt.Die Bergrettung ist nämlich aufgrund des alpinen Rettungsgesetzes (Verursacherprinzip) verpflichtet, für die Einsatzstunde 38,- Euro pro Bergretter zu verrechnen.

Zwar haben immer mehr Freizeitsportler mit einer Mitgliedschaft bei alpinen Vereinen, einer Fördermitgliedschaft bei der Bergrettung oder auch einer privaten Versicherung für diesen Ernstfall vorgesorgt. So manches Bergopfer - oft auch aus dem Ausland - ist aber nicht entsprechend abgesichert und macht sich nach der Rettung mehr oder weniger aus dem Staub.

Oder schickt nach Erhalt der Einsatzkostenverrechnung - wirklich ganz neu - Klagen, Beschimpfungen und den Konsumentenschutz. Freiwilligkeit stößt an GrenzenAbertausende Einsatzstunden werden geleistet.

Etwa 25 Prozent der Unterstützung für die Bergrettung kommen aus öffentlicher Hand - also aus Steuermitteln. "Ein Viertel unserer laufenden Kosten werden allein durch unsere Förderermitglieder finanziert. Auch wenn alle Bergretter ehrenamtlich arbeiten, entstehen hohe Kosten für die Aus- und Fortbildung und den Ankauf von Rettungsmaterial.

"Neue Bergetechniken und Erkenntnisse in Erster Hilfe, verbesserte technische Mittel - wie digitale Funkausrüstung - fordern ebenfalls große finanzielle Mittel. Dazu kommt der Umstand, dass "wir etwa 75 Prozent für unsere laufenden Kosten selbst aufbringen müssen. Andere Organisationen werden in weit größerem Ausmaß von der öffentlichen Hand finanziert", weist Landesleiter Estolf Müller auf die Notwendigkeit der gesetzlichen vorgegebenen Einsatzverrechnung durch die Bergrettung hin. "Trotzdem haben wir jede Menge Einsätze, die wir aus sozialen Gründen ohnehin nicht verrechnen."

Fehlende Wertschätzung
Es gibt natürlich Gemeinden, die die Bergrettung großzügig unterstützen. Doch das ist nicht überall der Fall und gerade bei Ausrüstung und Bekleidung müssen die Bergretter oft Mittel aus der persönlichen Kasse aufwenden. Man bedenke, dass bei strengen Einsätzen möglicherweise das Material sehr schnell unbrauchbar wird.

"Die Wertschätzung für unsere Leistung ist teilweise nicht so, wie man sie sich wünschen würde. Wir fühlen uns so immer mehr als Bittsteller bei Sponsoren, der öffentlichen Hand und bei Betroffenen, denen wir geholfen haben", fasst Müller die negativen Seiten des Ehrenamtes zusammen. Dazu kommen - wie oben erwähnt - vermehrt Klagen und Beschimpfungen. Vielleicht müssten wir die drohende Zukunftsvision einmal provokant formulieren: "Suchaktionen bedeuten einen enormen Zeit- und Personalaufwand. Ist dieser Aufwand leistbar? Auch wenn alle unsere Leute ehrenamtlich arbeiten, haben auch wir Kosten zu decken", sagt Müller weiter.

"Häufig machen aber Angehörige Druck, Vermisste oder Tote mit großem Aufwand zu bergen, da die Ungewissheit zusätzliches Leid und Probleme bringt. Eigentlich bedeutet Verantwortung für sich und andere zu übernehmen auch, sich für einen eventuellen Notfall entsprechend zu versichern", so der Landesleiter der Salzburger Bergrettung und schließt: "All jene glücklich Geborgenen, deren Rechtsanwälte und sonstige Berater, sollten darüber nachdenken, ob sie ihre Gesundheit, Freizeit oder Freistellung von der Arbeitsstelle für in Not befindliche Mitmenschen opfern würden."

Info zur Förder-Mitgliedschaft der Bergrettung
Der Schutz umfasst den Einzahler, dessen Ehepartner/Ehepartnerin oder im gemeinsamen Haushalt gemeldeten Lebenspartner/Lebenspartnerin, sowie Kinder bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Diese schließt Boden- und Flugrettung aus Berg- und Wassernot bis zu einem Höchstbetrag von Euro 15.000,- pro Person ein. Inkludiert sind auch Hilfeleistungen auf Pisten und bei Flugsportarten. Die Förderer-Aktion ist auch für Bergsportler gültig, die außerhalb von Österreich wohnen, leben und/oder Staatsbürger anderer Staaten sind. Die Versicherung gilt für Bergsport weltweit.

Mit 24 Euro jährlich als Förder/er/in der Bergrettung sind Sie wenigstens die finanziellen Sorgen im Zusammenhang mit alpinen Rettungs- und Suchaktionen los.

So werden Sie Förderer der Bergrettung