2010 gab es ein weiteres Ansteigen der Unfallkurve: Mehr Einsätze, mehr geborgene, verletzte Personen und mehr tödlich Verunglückte.
Österreichs Bergrettungs-Präsident Franz Lindenberg: „Die Zahl der Einsätze sowie der verletzt oder tot geborgenen Personen zeigt seit fünf Jahren leider wieder steil nach oben. Die Gefahr in den Bergen wird von vielen stark unterschätzt.“
Die meisten Toten im Bergland sind keine Hochalpinisten, sondern Bergwanderer im leichten Gelände, die oft einer Herz-Kreislauf-Schwäche erliegen. 2010 gab es 2.629 Einsätze für Wanderer, 124 Personen konnten aus dem so genannten „leichten Gelände“ nur noch tot geborgen werden.
Demgegenüber stehen 166 Einsätze im Fels und 16 Tote Kletterer bzw. Klettersteiggeher. Die Zahl der Einsätze im schweren Gelände ist stark rückläufig. Lindenberg:
„Mein Appell richtet sich daher vor allem an jene aus dem In- und Ausland, die scheinbar nur mal schnell eine kleine Wanderung machen möchten. Überschätzen Sie sich nicht!“
Weitere „Trends“, die die Bergretter 2010 ausmachen konnten:
- Immer mehr Einsätze betreffen Ski-Tourengeher und Variantenfahrer.
- Einsätze für erschöpfte Bergwanderer, Herz- und Kreislaufkranke steigen.
- Starker Anstieg bei Suchaktionen.
- Viel mehr geborgene Personen als in den letzten Jahren.
- Mehr Tote sind zu beklagen. Die größte Zahl seit fünf Jahren.
- Die Zahl der Verletzten nimmt stark zu.
- Immer mehr Inländer sind unter den Geborgenen.
- Es gibt weiterhin kaum Tote im Fels.
- Die Zahl der Lawinentoten nimmt wieder zu.
- Nur wenige Vermisste wurden nicht gefunden.
- Noch nie waren so viele Bergretter/innen einsatzbereit.
- 2010 brachte fast neuen Rekord bei Einsatzstunden.
Die Bergrettung hat für die neue Saison 2011, die in diesen Tagen voll startet, daher die wichtigsten Sicherheitstipps für Wanderer und Alpinisten zusammengetragen. „Unser Ziel ist es, dass die Unfallkurve heuer wieder deutlich sinkt“, erklärt Lindenberg.
ÖBRD-Jahresbericht 2010 im Detail (Einsätze - Daten & Fakten)
Grafiken - Verteilungskurven
PRESSE-GESPRÄCH in Wien (16. Mai 2011): Bericht mit Bilder-Galerie
SICHERHEITSTIPPS:
• Richtige Selbsteinschätzung
Prüfe vor jeder Bergtour die persönliche Verfassung und dein spezifisches Können. Schätze die eigenen Kräfte und die der Begleiter – insbesondere jene der Kinder – richtig ein. Danach richtet sich die Länge/Schwierigkeit der Tour. Trainieren sollte man besser vor, und nicht während der Bergtour. Übermüdung, Erschöpfung und Überforderung sind häufige Unfallursachen.
• Richtige Tourenplanung
Alle möglichen Informationen aus Karten, Tourenführer, Tourenberichten im Internet, Wetterinformationen usw. über die geplante Tour einholen. Bleibe grundsätzlich auf dem geplanten Weg. Beobachte laufend das Umfeld und passe dein Verhalten an. Ein Angehöriger, der Quartiergeber im Urlaub, der Hüttenwirt, etc. sollte wissen, welche Tour man plant, und wann man spätestens wieder zurück sein möchte. Verirren führt oft zu aufwändigen und langwierigen Sucheinsätzen.
• Richtige Ausrüstung
Die erforderliche Ausrüstung sorgfältig nach Jahreszeit, Dauer, Art und Schwierigkeit der Tour zusammenstellen. Orientierungsmittel und Notfallausrüstung wie Rucksackapotheke, Handy mit vollem Akku, akustische/optische Signalmittel sowie Regenschutz und Taschenlampe immer dabei haben. Unterkühlung führt auch im Sommer zu Leistungsverlust mit völliger Erschöpfung.
• Richtiges Tempo
Passe das Tempo deiner Kondition und der deiner Partner an. Das Tempo orientiert sich stets am schwächsten Mitglied einer Gruppe. Die Gruppe nicht teilen oder verlassen. Zu schnelles Gehen führt zu frühzeitiger Ermüdung und Überforderung und in weiterer Folge zu Erschöpfung.
• Richtige Verpflegung
Ausreichend mineralsalzhaltige Getränke und energiereiche Nahrung mitnehmen. Vor der Tour in Ruhe Frühstücken - aber den Gipfel stürmt man nicht mit vollem Magen. Regelmäßig Verpflegungspausen einlegen und ausreichend trinken. Kein Alkohol! Alkohol macht müde und leichtsinnig. Dehydrierung ist neben der Unterkühlung die häufigste Ursache für den völligen Zusammenbruch.
• Richtige Wettereinschätzung
Frühzeitig, schon bei der Tourenplanung, Wetterinformationen einholen. Beobachte die Wetterlage bereits vor dem Beginn der Tour. Anpassen an die Wetterentwicklung und rechtzeitiges Umkehren bzw. Schutz suchen bei einem Wettersturz sind Zeichen von Stärke und Umsicht. Das Wetter passt sich nicht an uns an. Nässe und Kälte führen rasch zu Unterkühlung.
• Richtige Reaktion bei Notfällen
Im Notfall den Bergrettungsnotruf 140 (Vorarlberg: 144) wählen. Unfallgeschehen und Ort möglichst genau schildern (wer, was, wo, wie viele, wann?). Ruhe bewahren den Anweisungen folgen und am Unfallort warten bis Hilfe eintrifft. Sparsam telefonieren, damit der Akku lange reicht. Einen Verletzten grundsätzlich nicht allein lassen. Das alpine Notsignal anwenden (z.B. bei unklaren Ortsangaben).
Liste in deutscher Sprache: ÖBRD-Sicherheitstipps (PDF-Download)
English: Safety Tips of Mountain Rescue (PDF-Download)
In Österreich stehen knapp 12.000 Bergretterinnen und –retter mit 234 Suchhunden im Einsatz. Sie gehören 293 Ortsstellen an.
„Gerade im Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit kann man den Dienst dieser ehrenamtlich tätigen Männer und Frauen nicht hoch genug einschätzen. Und ich möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich bei ihnen bedanken“, sagt ÖBRD-Präsident Lindenberg.
Der ÖBRD betreibt aus Kostengründen keine ständig besetzten Einsatzzentralen. Die Spezialisten gehen zumeist von den Arbeitsplätzen ihrer Brotberufe, oder in der Freizeit von zu Hause aus in die Einsätze. Die Alarmierung erfolgt grundsätzlich über Leitstellen. Der Alpin-Notruf lautet 140 (nur in Vorarlberg 144).
Das Rote Kreuz, die Alpin- und Flugpolizei, die Flugrettungsbetreiber, die Feuerwehren und die Katastrophenhelfer des Österreichischen Bundesheeres zählen zu den wichtigsten Partnern.
Konservativ geschätzt stellen die Einsätze der Bergrettung einen finanziellen Gegenwert von über 3,7 Millionen Euro dar. Zeiten, Zahlen und Wertschöpfung für Ausbildung und Training der Einsatzkräfte sind in dieser Berechnung nicht enthalten.
Finanzierung
Der ÖBRD selbst ist in seiner Finanzierung auf die Zuwendungen der Bundesländer, einiger Bundesministerien und von Partnern aus der Wirtschaft angewiesen. „Ich freue mich daher, dass wir mit den Österreichischen Lotterien einen starken Partner aus der Wirtschaft an Bord haben, der uns in der Vergangenheit unterstützt hat und dies auch in Zukunft tun wird“, so Präsident Lindenberg.
Dr. Karl Stoss, Generaldirektor der Österreichischen Lotterien, freut sich über die Vertiefung der Partnerschaft mit der Bergrettung:
„Man kann das Engagement der Bergretter gar nicht genug würdigen, jener Menschen, die für uns alle ihr eigenes Leben Tag für Tag riskieren. Wenn wir als Österreichische Lotterien zumindest einen finanziellen Beitrag dazu leisten können, wollen wir das nach unseren Möglichkeiten sehr gerne tun. Und dass wir nun vom langjährigen Sponsor gewissermaßen zum Partner der Bergrettung geadelt werden, ist uns das gleichermaßen Ehre und Ansporn, uns auch in Zukunft für diese für unser Land gute Sache zu engagieren.“
Dr. Stoss verspricht weitere Förderer zu rekrutieren: „Wir wollen Vorbild sein und andere Unternehmen anregen, finanzielle Beiträge zu leisten.“
Fördereraktion
Bergrettungs-Präsident Lindenberg erinnert an die Fördereraktionen des ÖBRD, die sich an die Bevölkerung und an Gäste richtet: „Förderer helfen uns, und wir helfen ihnen. Unsere Versicherung erstattet Förderern des ÖBRD die Kosten, wenn diese unsere Hilfe in Österreich oder international die Hilfe anderer Rettungsorganisationen brauchen.“
Wer den Österreichischen Bergrettungsdienst mit einem Jahresbeitrag von mindestens 22 Euro fördert, ist mit der ganzen Familie (Kinder bis zum 18. Lebensjahr) bzw. Lebensgefährten im gemeinsamen Haushalt versichert und bei Bergsport-Unfällen, zumindest finanziell die meisten Sorgen los. Das gilt für Rettungskosten weltweit. Limit der Gesamtsumme: € 15.000,- / Gültigkeit ab Einzahlungstag für ein Jahr.
ÖBRD-Jahresbericht 2010 im Detail (Einsätze - Daten & Fakten)
Grafiken - Verteilungskurven
PRESSE-GESPRÄCH in Wien (16. Mai 2011): Bericht mit Bilder-Galerie
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Liste in deutscher Sprache: ÖBRD-Sicherheitstipps (PDF-Download)
English: Safety Tips of Mountain Rescue (PDF-Download)
Informationen und Kontakte:
ÖBRD-Bundesverband
Präsident Franz Lindenberg Gerald Lehner +43676/83141805
Rosenegger Str. 20 Fachreferent für Öffentlichkeitsarbeit
9020 Klagenfurt am Wörthersee lehner.bergrettung@gmx.org
Telefon:+43 664/5453520
Büro: +43 463/502888
News
Wien, 16. Mai 2011 – Im vergangenen Jahr wurde der Österreichische Bergrettungsdienst (ÖBRD) zu 6.722 Einsätzen mit insgesamt 68.073 Einsatzstunden gerufen. 7.008 Personen wurden geborgen, davon 5.857 verletzt und 170 tot. Bei einem Pressegespräch mit den Österreichischen Lotterien in Wien, Sponsor der Bergrettung, wurde diese Bilanz vorgestellt.

Vergrößerungen: Anklicken.

Franz Lindenberg, Präsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes (ÖBRD) präsentiert hier die Leistungsbilanz des ÖBRD und die frisch ausgewerte Einsatz-Statistik für 2010.

Dr. Karl Stoss, Generaldirektor der Österreichischen Lotterien, ist selbst ein erfahrener Bergsteiger und langjähriger Unterstützer des ÖBRD.

Stoss: "Man kann das Engagement der Bergretter gar nicht genug würdigen, jener Menschen, die für uns alle ihr eigenes Leben Tag für Tag riskieren. Wenn wir als Österreichische Lotterien zumindest einen finanziellen Beitrag dazu leisten können, wollen wir das nach unseren Möglichkeiten sehr gerne tun."

Bilder: Peter Veider, Gerald Lehner, Archiv Stoss.














