Exakt 5.360 Meter Seehöhe. Das war bisher das höchste der Gefühle für Reinhold Dörflinger aus Ebenthal. Das Basecamp Nepal am Fuße des Mount Everest bedeutete sozusagen den Gipfel für seine Bergsteigerkarriere, in der er auch andere prominente Gebirge erklommen hat.
Darunter etwa der Mont Blanc, Berge im Kaukasus oder die Umrundung der Annapurna im westlichen Himalaya über den ebenfalls mehr als 5.000 Meter hohen Thorong La. Doch Seehöhe hat für ihn nur nebensächliche Bedeutung: "Ich bin nicht der Extreme, ich muss nicht immer ganz hinauf. Schon gar nicht in die Todeszone - als Bergretter muss man ständig abwägen. Und sich selber darf man nie in Gefahr bringen."
Vom Retten hat Dörflinger definitiv Ahnung. Als Präsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes hat er nicht nur Einsatzerfahrung auf dem Berg vorzuweisen, sondern seit Kurzem auch das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik. Bundespräsident Heinz Fischer hat es ihm für seine Tätigkeit als Leiter überreicht, übernommen hat es Dörflinger aber für seine über 11.200 ehrenamtlichen Bergretter: "Ich sehe es als Auszeichnung für die Arbeit und das Engagement unserer Mitglieder."
Seit 1996 steht Dörflinger den Bergrettern als Präsident vor, von 1991 bis 2006 war er auch Leiter der Landesleitung Kärnten. 1100 Stunden ist er jährlich im Dienst und kümmert sich um die Ausbildung der Retter, sorgt für ihren Versicherungsschutz und pflegt internationale Kontakte. In den letzten Wochen war er oft im russischen Sotschi, um die alpinen Einsatzkräfte mit österreichischem Know-how auf die Olympischen Winterspiele vorzubereiten.
Mitten in der Wandersaison hat der Bergrettungschef auch ohne "Auslandseinsätze" alle Hände voll zu tun: "Oft überschätzen die Wanderer ihre Kondition. Sie rutschen aus und stolpern, weil ihre Kraft oder Konzentration nachlässt. Die Wanderunfälle passieren meistens bei den Abstiegen", sagt der 63-Jährige, der eine positive Entwicklung ausmachen kann: "Die Zeit der Schlapfenträger auf den Bergen ist vorüber. Schlechtes Schuhwerk ist kaum noch ein Grund für Unfälle."
Trotz der steigenden Einsatzzahlen gibt Dörflinger in Sachen Sicherheit auf dem Berg Entwarnung: "Wir haben genug einsatzbereite Retter."
Abenteuer Klettern
Dieses Gefühl der Sicherheit, weiß Dörflinger aus eigener Erfahrung, ist für Bergsteiger wichtig. Schon auf Kindesbeinen ist er geklettert und gewandert, damals noch mit seinem Vater. Der nahm ihn auch auf seinen ersten Gipfel mit, den Dobratsch: "Noch aufregender war aber unsere gemeinsame Tour auf den Hohen Sonnblick. Ich war damals neun Jahre alt, und empfand schon die Zugfahrt von Klagenfurt nach Spittal als Abenteuer - ganz zu schweigen vom Aufstieg, bei dem uns ein heftiges Gewitter überraschte."
Was heute als gemütlicher Tagesausflug gilt, dauerte mit mehreren Übernachtungen auf Schutzhütten eine gute Woche.
Von da an war Dörflinger der Bergluft verfallen, 1966 trat er der Bergrettung bei. In den Siebzigern begann er, von der Ortsstelle Klagenfurt aus den Rettungsfunk auf dem Berg einzuführen: "Davor musste man bei einem Notfall immer erst ins Tal laufen und Hilfe holen. Das brauchte viel Zeit."
Dörflinger selbst hat in den Anfangszeiten den rucksackgroßen Akku für das Funkgerät den Berg hochgeschleppt. Die regelmäßigen Ausfälle der Technik hielten ihn auf Trapp, er war laufend unterwegs, um kaputte Teile oder Batterien auszuwechseln. Auch auf Schutzhütten, die ebenfalls mit einem Notrufsystem ausgestattet wurden.
Kein "Würschtl-Funk"
Dieses wurde zu Dörflingers Missfallen oft für Essensbestellungen missbraucht. Er musste die Hüttenwirte per Funkspruch rügen: "Das ist kein Würschtl-Funk!"
Nicht nur seine Freizeit, auch sein berufliches Leben war von der Sorge um die Sicherheit bestimmt. Als Landesbeamter im Katastrophenschutz ist der 63-Jährige aber mittlerweile pensioniert. Mehr Zeit für die Berge - doch ganz zum abgehobenen Einsiedler will Dörflinger nicht werden: "Ab und zu fahre ich gern ans Meer, damit ich auch einmal etwas anderes sehe."
Am liebsten sind ihm dennoch die Touren in der näheren Umgebung mit Familie und Kameraden.
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Dieses Portrait erschien am 5. September 2010 in der Kleinen Zeitung.
kleinezeitung.at
News
06.09.2010 -
Präsident ohne Höhenrausch
Klagenfurt, 5. September 2010 - Reinhold Dörflinger (63) erhielt als langjähriger Präsident der Österreichischen Bergrettung das Goldene Ehrenkreuz der Republik. Seine Expertise ist sogar in Russland gefragt.

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Reinhold Dörflinger (links) in den Karnischen Alpen mit dem Kärntner ÖBRD-Landesleiter Othmar Striednig und dem früheren ÖBRD-Vizepräsidenten Bernhard Anker aus Tirol.

Österreichs Staatsoberhaupt Dr. Heinz Fischer mit dem ÖBRD-Präsidenten Dörflinger (unter dem Gemälde von Kaiserin Maria Theresia) im Kreis der ÖBRD-Landesleiter und des ÖBRD-Vizepräsidenten Dr. Wolfgang Ladenbauer in der Hofburg zu Wien.

Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich durch Bundespräsident Fischer.

Dörflinger mit Dr. Luciano Cirina, Vorstandschef des wichtigsten Sponsors des ÖBRD, der Generali Versicherung. Bilder: Gerald Lehner









