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News

23.04.2008 - 
Kanadas Raubbau am eigenen Land

von ORF.at

Der nördliche Nachbar der USA ist auf dem Weg zur Ölgroßmacht. Kanada gewinnt immer mehr Öl aus Ölsand - ein Vorgang, der kostspielig ist, sich aber im Moment durch den hohen Ölpreis zu rechnen scheint. Die USA hoffen, über mehr Energieverträge mit Kanada der Abhängigkeit von Öl aus der unruhigen Nahost-Region zu entgehen. Die Folgen für die Umwelt sind katastrophal.


In der kanadischen Provinz Alberta mit ihren weitläufigen Wäldern am Rand des Hauptkammes der Rocky Mountains befinden sich mit die größten Ölreserven der Welt. Es geht um die Ölsande von Alberta. Sie sind ein Gemisch aus Sand, Lehm und Bitumen. Mehr als 174 Milliarden Fass Öl stecken nach Meinung von Experten in diesen Erdschichten.

In dieser entlegenen Region arbeiten mittlerweile Zehntausende Leute auf der größten Baustelle der Welt: Viele Milliarden Dollar mehr sollen hier investiert werden. Die Frage ist: warum? Was ist so interessant an einer Ölgewinnung, die extrem aufwendig ist und doppelt so teuer wie die herkömmliche?

Der Preis für die Gewinnung von Öl aus Ölschiefer ist hoch - er liegt bei zwölf bis 15 Euro pro Fass. Doch durch den steigenden Ölpreis lohnt sich das aufwendige Verfahren immer mehr.

Nester werden Boomtowns
Um ein Fass Öl herzustellen, müssen vier Tonnen Ölsand abgebaut werden. Der wertvolle Kies wird mit heißem Wasser vermischt, um Sand und Bitumen zu trennen. Dieses Produkt ist von schlechterer Qualität als konventionell gewonnenes Öl. Aber es ist begehrt. Ehemalige Provinznester wie Fort McMurray haben sich zu boomenden Städten entwickelt, in denen Straßen und Häuser wie Pilze aus dem Boden schießen. Die Immobilienpreise haben schwindelerregende Höhen erreicht. Alle Welt investiert hier - Frankreich, die Niederlande, Japan, China und vor allem die USA.

Ölfieber hat alle gepackt

Mit dem Schild "Sie sind im Ölland" werden hier Neulinge stolz begrüßt. Das Ölfieber hat alle gepackt. Die reiche Provinz Alberta wird von vielen nur noch "Oil-berta" genannt. Eine der großen Ölfirmen hat sogar einen Flughafen unmittelbar neben seiner Ölsandmine errichten lassen.


Jeden Tag bringt eine Boeing 737 Arbeiter aus ganz Kanada - aus Calgary, Montreal, Moncton und Terre-Neuve. Die Wohnungen der Arbeiter liegen unmittelbar neben ihrem Arbeitsplatz. Miete zahlt hier niemand. Das Essen in der Kantine ist gut und gratis. Arbeitskraft ist Mangelware, und die Belegschaft wird dementsprechend umsorgt. Die Gehälter für Facharbeiter sind die höchsten in ganz Kanada

Mehr dazu in einem großen Feature von ORF.at