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News

13.01.2009 - 
Berge auf dem Tagesprogramm: 60 Jahre bei der Bergrettung

von Anja Kröll, Salzburger Nachrichten

Urgestein. 6.000 Mal pro Jahr helfen Österreichs Bergretter. Walter Strausky ist mit 83 Jahren einer der ältesten Aktiven.


Walter Strausky (83): "So lange es läuft, so lange gehe ich in die Berge."


Großglockner, Heiligenbluter Seite. Bilder: SN / Heinz Bayer / Anja Kröll. Vergrößerungen: Anklicken.

Klagenfurt, 5. Jänner 2009 (SN). 21 Mal sei er oben gewesen. Auf dem Großglockner, jenem Berg, der Walter Strauskys Stimme  weicher werden lässt. 76 Jahre war er beim letzten Gipfelsturm. Sieben Jahre ist das her: „Nun bleibt mir die Erinnerung an den Glockner. Die anderen Berge stehen quasi auf dem Tagesprogramm.“ Denn der 83-jährige Strausky ist aktives Mitglied der Österreichischen Bergrettung – seit 60 Jahren.


Fitness als Voraussetzung
„Heuer bin ich gemeinsam mit drei Kollegen in Klagenfurt geehrt worden. Die haben sogar das Verdienstzeichen extra für uns umändern müssen, weil so viele aktive Alte wie uns gibt es selten“, sagt der Pensionist mit einem Lächeln.


Reinhold Dörflinger, Präsident der Österreichischen Bergrettung, kann das  nur bestätigen: „Man muss körperlich fit sein, um diese Einsätze durchführen zu können. Mitglieder mit 60-jähriger Erfahrung sind darum selten, aber wichtig. Denn die Einsatzerfahrung der Alten ist unbezahlbar.“ Warum? „Weil sie damals mit den einfachsten Mitteln arbeiten mussten, da war viel Improvisation gefragt, die heute in Notsituationen noch hilfreich ist“, erzählt der Präsident.


Auch Strausky erinnert sich gern an diese Zeit zurück. „Es gab weder Funk noch Lawinenpiepser. Und auch die Bergungsmethoden sind mit heute nicht vergleichbar“, erklärt der gebürtige Klagenfurter. Zu erzählen weiß er viel: Von der Zeit nach dem Krieg, als über die Karawanken Flüchtlinge strömten – „in  normalen Straßenschuhen!“. Vom Jahr 1949, als er in den Lienzer Dolomiten zum ersten Mal ein Nylonseil anstatt eines Hanfseiles in seinen Händen hielt. Von jenem Einsatz in einer Eisrinne am 30. Jänner 1970, als ein Bergsteiger nur noch tot geborgen werden konnte. Und: Von der ersten  weiblichen Bergretterin in der Truppe.
 
Zahl der Frauen nimmt zu
Heute sind rund 200 der mehr als 11.000 Bergretter in ganz Österreich Frauen. In 292 Ortsstellen absolvieren die Retter rund 6.000 Einsätze pro Jahr. Wobei die Einsatzzahl seit einigen  Jahren ein wenig rückläufig sei. „Unsere Aufklärungsarbeit beginnt zu greifen. Die Leute informieren sich, bevor sie eine Skitour unternehmen immer besser über die Lawinensituation. Das zeigt Wirkung“, erklärt Bergrettungspräsident Dörflinger. Hauptaufgabe der freiwilligen Retter sei aber im Sommer wie Winter nach wie vor die Vermisstensuche. Ein Gebiet, in dem auch Strausky aktiv ist.


Doch wie schafft man es mit 83 Jahren, noch die Berge zu stürmen? „Ich gehe ein Mal die Woche Wandern oder Skifahren, das ist Pflicht. Man muss eben immer in Bewegung bleiben“, erzählt der Bergretter. Und auch ein Glaserl Wein genehmige er sich manchmal. Aber „alles in Maßen“.

Gipfelsiege unwichtig
Wie lange er noch für die Bergrettung aktiv sein möchte, weiß Strausky noch nicht: „In dem Alter macht man keine Zeitangaben mehr, aber so lange es läuft, so lange gehe ich in die Berge.“


Gipfel, wie jene des Großglockners seien ihm dabei ohnedies nicht mehr so wichtig. „Die frische Luft, die Natur oder die Gespräche mit Einheimischen sind genauso herrlich für mich. In meinem Alter muss es eben nicht immer ein Gipfelkreuz sein.“

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Salzburger Nachrichten