Die Finanzierung der ehrenamtlichen Bergrettung durch den Bund sollte künftig verlässlicher und vor allem - bezogen auf jährliche Auszahlung - zeitgerechter erfolgen.
Es geht um die Unfall-, Haftpflicht- und Folgekosten-Versicherung für alle ehrenamtlich tätigen Bergrettungsleute bundeseit, damit diese bei Einsätzen und Übungen wenigstens einigermaßen abgesichert sind. Diese Versicherung muss zum Teil über Bundessubventionen bezahlt werden. Hier spieße es sich jedes Jahr mittlerweile massiv, betont der ÖBRD-Präsident:
“Wir warten für das laufende Jahr 2009 bisher noch immer auf Teil-Subventionen des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft sowie des Gesundheitsministeriums - wobei bisher einzig das Innenministerium in vorbildlicher Weise seine Finanzierungsaufgaben erfüllt”, sagt Reinhold Dörflinger, Präsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes: “Auch von Wirtschaftsministerium wurde bereits ein Teilbetrag ausbezahlt.”
Der Bergrettungspräsident war in den letzten Tagen mit Kärntner ÖBRD-Teams und Hundeführern, Journalisten aus ganz Österreich und dem Top-Management der GENERALI-Versicherung auf einer Hochtour im Bereich des Wolayer Sees in den Karnischen Alpen (Kärnten) unterwegs.
“Wir sind finanziell in der Bergrettung bundesweit derzeit absolut am Limit”, schildert Dörflinger die Lage: “Es ist von uns für alle sieben Landesleitungen jährlich ein Budget zu erstellen. Nur so lässt sich bundesweit für den heimischen Tourismus und Winter- wie Sommersport ein flächendeckendes Rettungswesen in den Bergen gewährleisten. Wir fühlen uns bei diesem Bemühen derzeit von Teilen der Bundesregierung im Stich gelassen.”
Dörflinger ergänzt, dass vor dem Gang an die Öffentlichkeit mehrfach bei zuständigen Stellen in den Ministerien auf die Lage hingewiesen worden sei. Er habe dabei nicht den Eindruck gewonnen, dass von Sachbearbeitern mit Problembewusstsein auf die geschilderte Situation reagiert werde.
Konkrete Beispiele:
Vom Landwirtschaftsministerium sei bisher eine einmalige Subvention von 20.000 Euro für Ausrüstungsdepots im Gebirge fix zugesagt gewesen, sagt Dörflinger: “Das hat noch der damalige Landwirtschaftsminister und nunmehrige Vizekanzler sowie Finanzminister Dr. Josef Pröll fest in Aussicht gestellt. Bisher ist kein Cent davon überwiesen worden.”
Vom Gesundheitsministerium wurde 2006 von der damaligen Ministerin Dr. Maria Rauch-Kallath eine fixe und jährliche Subvention von 33.000 Euro für die Bergrettung zugesagt. Für 2008 UND 2009 sind bisher noch keine Mittel zur Verfügung gestellt worden.
ÖBRD-Präsident Reinhold Dörflinger betont, einzig das Innenministerium erfülle derzeit seine Zusagen und Aufgaben als Financier des alpinen Rettungswesens. Hier fließen jährlich 70.000 Euro aus Bundesmitteln zu den sieben Landesleitungen des Bergrettungsdienstes.
Bilanz für das Gemeinwohl:
Fast 6.500 Personen wurden 2008 vom ÖBRD geborgen - davon fast 5.300 Verletzte, mehr als 1.000 Unverletzte und 145 Tote. Mehr als 6.200 Einsätze gab es 2008 bundesweit. Mehr als 73.000 ehrenamtliche Einsatzstunden wurden dabei für das Gemeinwohl und letztlich auch für die Republik geleistet.
73.000 Einsatzstunden sind etwa 8,33 “Einsatzjahre” im Jahr 2008 - umgerechnet: Mehr als acht Bergretter wären ein ganzes Jahr lang 24 Stunden tagtäglich im Einsatz.
Wertschöpfung für den Staat: Bei einem theoretisch angenommenen Stundensatz von 50 Euro (geringe Annahme für Fachpersonal) wäre das - allein bei Einsätzen (ohne Ausbildungszeiten) - ein finanzieller Gegenwert von fast 3,7 Millionen Euro.
“Diesen Wert hat die Bergrettung im Sinn des Gemeinwohls dem Tourismusland und der Republik Österreich gebracht - allein im Jahr 2008. Wir ersuchen die Bundesregierung dringend, ihre Aufgaben in diesem Zusammenhang fair und zeitgerecht zu erfüllen”, betont Bergrettungspräsident Dörflinger:
“Wenn es so weitergeht, ist die Bergrettung gezwungen, eines Tages ihre Einsatzbereitschaft einzustellen, weil die Prämien der Unfallversicherungen für die ehrenamtlichen Retter nicht mehr bezahlt werden können. Für das Ansehen des Tourismuslandes Österreich wäre diese Situation katastrophal. Und die Bergrettung tut ihr Möglichstes, um weiterhin einsatzbereit zu sein. Das geht aber nur mit Hilfe der finanziell Zuständigen in der Politik.”
AKTUELLE BERICHTE zu dem Thema
Kurier: "Bergrettung droht mit Einsatzstopp" (PDF)
Kleine Zeitung: "Staat lässt Bergrettung hängen" (Online News)
News
01.07.2009 -
Bergrettung in Geldnot - Mehr Verlässlichkeit bei Bundes-Subventionen eingemahnt
Der Österreichische Bergrettungsdienst (ÖBRD) ersucht die Bundesregierung, diese möge dringend benötigte und bereits von früheren Ministern bzw. Ministerinnen zugesagte Subventionen für das alpine Rettungswesen überweisen.

Für 11.000 ehrenamtliche Bergretter (Männer & Frauen) bundesweit: Die fixe Geldspritze des Bundes jährlich wäre nicht nur Gebot der Fairness sondern die Sicherung grundlegender Leistungen des Staates für die (unter anderem touristische) Allgemeinheit. Das alljährliche "Betteln" um Subvention könnte beispielsweise durch einen Beschluss des Nationalrates rasch und effektiv ein positives Ende finden.

Dörflinger appelliert an die Politik, ihre Versprechen einzuhalten.

Von links: Bernhard Anker - ÖBRD-Vizepräsident, Otmar Striednig - ÖBRD-Landesleiter von Kärnten, Reinhold Dörflinger - ÖBRD-Präsident.







