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(alle Bilder: Air Zermatt)

Modernster Helikopter Europas neu in der Flotte der Air Zermatt

von Michel Venetz/Walliser Bote

Die Air Zermatt investiert kräftig in ihre Flotte. Ab Mitte September wird der Helikopter Typ Bell 429 im Dienste der berühmten Bergretter stehen.

Voller Stolz präsentierten Gerold Biner, Helikopterpilot und CEO der Air Zermatt, und der Verwaltungsratspräsident der Zermatter Flugunternehmung, Beat H. Perren, gestern Freitag auf dem Heliport in Zermatt vor den zahlreich erschienenen Medienschaffenden und den geladenen Gästen das neuste Fluggefährt ihrer Unternehmung: den Helikopter Bell 429. «Heute ist ein grosser Tag für die Air Zermatt. Mit dem Helikopter Bell 429 verfügen wir nun über den modernsten Hubschrauber Europas. Darauf können wir stolz sein», meinte Gerold Biner.

Reiner Rettungshelikopter
Der Bell 429 ist neben dem Hubschrauber EC 135 T2 , der vor zehn Jahren angeschafft worden ist und seither rund 5000 Flugstunden absolviert hat, erst der zweite Helikopter in der Flotte der Air Zermatt, der mit zwei Motoren angetrieben wird. Damit kommt die Air Zermatt den Forderungen des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL) nach. Das Bundesamt schreibt nämlich vor, dass für Patientenflüge während der Nacht nur noch zweimotorige Hubschrauber im Einsatz stehen dürfen. Während des Tages ist der Einsatz der einmotorigen Helikopter aber immer noch gestattet. Für den fliegenden CEO Gerold Biner ist das eine unbefriedigende Situation: «Die europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA), überlässt es jedem Land selber, ob es nur noch zweimotorige Hubschrauber zulassen will. In der Schweiz herrscht in dieser Sache Handlungsbedarf. Wir werden uns deshalb in der nächsten Zeit mit der Air Glaciers und der Rega zusammensetzen und den Bundesbehörden einen Vorschlag präsentieren. Die jetzige Regelung mit Ausnahmebewilligungen für einmotorige Helikopter ist nämlich für uns als Luftfahrtunternehmen nicht sehr einfach.»

Medizinische Intensivstation
Mit dem neuen Hubschrauber Bell 429 können die Rettungsspezialisten der Air Zermatt nun noch anspruchsvollere Rettungen wie beispielsweise Nachtrettungen durchführen. Das mit dem Kennzeichen HB-ZSU eingelöste Flugobjekt kann mehrere Spezialeinbauten vorweisen. Dazu gehören unter anderem hochleistungsfähige Suchscheinwerfer des Typs SX5, eine Infrarotkamera mit dem Namen «Max Viz», eine Nachtsichtvorrichtung NVG (Night Vision Googles) und eine 90 Meter lange Seilwinde.

Ausserdem ist das neue Fluggerät der Air Zermatt mit der neusten Medizintechnologie ausgestattet. Der leitende Chefarzt der Air Zermatt, Dr. Axel Mann, bezeichnete den neuen Helikopter an der gestrigen Medienkonferenz als «medizinische Intensivstation». Das Gefährt ist ausserdem für den Blindflug zugelassen.

Die Flotte der Air Zermatt

  • Lama
    Die Aérospatiale SA-315 Lama ist ein leichter Mehrzweckhubschrauber. Die Lama wird für Passagiertransporte, zu Beobachtungszwecken, in der Flugausbildung und zum Patiententransport in der Luftrettung eingesetzt. Am 21. Juni 1972 erreichte Jean Boulet mit einer Lama eine Höhe von 12442 m und stellte damit den absoluten Höhenrekord für Helikopter auf. Erst am 25. März 2002 konnte Frédéric North mit einem Eurocopter AS 350 diesen Rekord brechen. In der Schweiz sind heute noch rund 40 Lamas im Einsatz. Die Air Zermatt hat noch zwei Helikopter vom Typ Lama im Einsatz. Besonders im Hochgebirge unter härtesten Bedingungen haben sich die robusten Maschinen bestens bewährt.
  • Ecureuil B3
    Die Ecureuil, zu Deutsch Eichhörnchen, ist ein leichter Mehrzweckhubschrauber mit einem Triebwerk. Der erste Prototyp hob am 27. Juni 1974 noch mit einer Lycoming-Turbine ab. Die Ausführung AS 350C mit der später auch in Serie verbauten Turboméca Arriel-Turbine hatte ihren Erstflug am 14. Februar 1975. Es folgten weitere zivile und militärische Versionen. Von diesem Hubschraubertypen besitzt die Air Zermatt vier Stück. Der Helikopter weist eine Länge von 12,94 Metern und eine Höhe von 3,41 Metern auf. Die maximale Reisegeschwindigkeit des Helikopters beträgt 235 km/h, die Höchstgeschwindigkeit 287 km/h. Das Eichhörnchen verbraucht in einer Stunde rund 180 Liter Kerosin.
  • EC 135
    Der Helikopter EC135 T2 des deutsch-französischen Herstellers Eurocopter ist ein reiner Rettungshubschrauber. Die Air Zermatt hat diesen Hubschraubertyp vor zehn Jahren angeschafft und mit ihm seither über 5000 Rettungseinsätze geflogen. Neben der Bell 429 ist der Eurocopter EC 135 der einzige zweimotorige Rettungshelikopter in der Flotte der Air Zermatt. Im Bereich Luftrettung hat die EC 135 schnell Einzug gehalten. Der Grossteil der Rettungshubschrauber-Flotte der ADAC Luftrettungs GmbH in Deutschland besteht aus diesem Hubschraubertypen. In Österreich wird durch den Christophorus Flugrettungsverein ausschliesslich dieses Modell bei Luftrettungen eingesetzt.
  • Bell 429
    Die Bell 429 ist ein achtsitziger, zweimotoriger Hubschrauber des amerikanischen Herstellers «Bell Helicopter» mit einem Turbinenantrieb. Sie ist der neuste Helikopter in der Flotte der Air Zermatt und wird ab Mitte September im Einsatz stehen. Das Zermatter Flugunternehmen wird die neue Maschine nur zu Rettungszwecken einsetzen. Der Erstflug fand am 27. Februar 2007 statt. Hergestellt wird die Bell 429 in Mirabel in Kanada. Seit 2009 wird die Flugmaschine in Serienproduktion hergestellt. Die Bell 429 erreicht eine Maximalgeschwindigkeit von 287 km/h und ist damit im Vergleich zum Hubschraubertyp EC 135 fast 10 km/h schneller. Der Stückpreis für eine Bell 429 liegt bei 6 Millionen Dollar.

www.1815.ch bzw. www.air-zermatt.ch