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Glück? Mit Vätern endlich versöhnen, auch den verstorbenen ...

Bibliografie - Biddulph, Steve: Männer auf der Suche, sieben Schritte zur Befreiung. Taschenbuch. Heyne-Verlag. München 2007. ISBN 978-3-453-86903-5

Warum nörgeln ältere Männer (Väter) so oft an Jüngeren herum - und umgekehrt? Weil die Väter der Väter und deren Väter auch nur herumgenörgelt haben? Und warum tun Väter so wenig mit ihren Söhnen gemeinsam? Und was hat das mit Einsatzkräften und anderen Männerbünden zu tun? ...

Männer. Männergemeinschaft. „Kameradschaft“. Feuerwehr, Rotes Kreuz, Bergrettung, Bundesheer, Kegelclub, Sauna- und Segelrunde ... mit strikter Abgrenzung zu Frauen. Tiefer Sinn oder Unsinn? (Über)Lebensstrategie wegen mancher Selbstzweifel? Selbsthilfegruppen? Männer überall voll in der Überzahl oder Männer in Gruppen, ein nach eigenen Sichtweisen "starkes“ Geschlecht, das in Wahrheit bis zum Hals in der Krise steckt? Weil dauernd immer alle ihrem Vater beweisen müssen, dass sie seinen Erwartungen entsprechen? Auch wenn der alte Herr schon lange verstorben ist und damals - ja damals - nur ganz selten etwas unternommen hat mit seinem Buben ...

Der Bub hatte von einem Apachen-Häuptling geträumt, der ihm vieles beibringt.  In Wirklichkeit war der alte Herr dann meistens damit beschäftigt, an den Söhnen herumzunörgeln und vor der Chefin des Hauses zu kuschen. Kommt Ihnen das vielleicht bekannt vor? Wer dieses Buch liest, könnte als Mann ziemlich beunruhigt werden, bevor darin auch brauchbare Ansätze und Auswege skizziert werden.

Der Autor setzt bei unseren Vätern an. Welches Bild haben wir von ihnen, was denken oder dachten unsere Väter über uns? Was haben sie mit uns getan, was wir mit ihnen? Wie können wir uns als Männer mit uns selbst und der Welt versöhnen; auch wenn unsere Väter schon gestorben sind? Lassen Sie bitte die folgenden Fakten ein paar Freunden lesen und fragen Sie, was die sich dabei denken? Was denken Sie? Steve Biddulph beschreibt das so: 

1. Dreißig Prozent der heutigen Männer geben laut verlässlichen statistischen Untersuchungen an, dass sie überhaupt nicht mehr mit ihrem Vater sprechen. Eine Beziehung – welcher Art auch immer – existiert nicht.

2. Weitere dreißig Prozent haben ein gespanntes und schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater. Sie verbringen zwar hin und wieder Zeit mit ihm, aber diese Stunden sind oft schmerzhaft und unangenehm.

3. Bei den nächsten dreißig Prozent sieht es nur wenig besser aus. Sie besuchen ihren Vater zwar regelmäßig, nehmen an Familienfeiern teil und mühen sich redlich, ein guter Sohn zu sein – trotzdem sprechen sie mit ihrem Vater bestenfalls über den neuen Rasenmäher.

4. Weniger als zehn Prozent der Männer sind mit ihrem Vater wirklich befreundet und sehen die Beziehung als eng und befriedigend an. 

5. Nur etwa einer von zehn Männern sagt:
`Mein Vater ist mir eine große Hilfe. Er ist eine emotionale Stütze in meinem Leben.` Ist das nicht traurig? Warum können so wenige Kraft schöpfen aus dem Wissen, `dass mein Vater mich liebt und stolz ist auf mich`? Wie anders sähe die Welt aus, wenn wir  - Männer wie Frauen – öfter etwas Derartiges sagen könnten? 

Söhne als Marionetten?

Warum müssen Männer so oft schauspielern und Fassaden des Starken und Überlegenen vorgaukeln? Warum müssen sich immer mehr - andauernd - mit sportlichen Höchstleistungen oder Arbeitssucht und sonstigen schweren Abhängigkeiten beweisen? Was könnte da betäubt werden? Antworten und Gegen-Antworten zu solchen Fragen gibt es viele. Und der Australier Steve Biddulph gibt dem offenen Leser mit diesem Buch einige Perspektiven, über die es sich im eigenen Leben nachzudenken lohnt.

Wie steuert uns unser eigenes Vaterbild auf bizarren Pfaden durch das Leben – wie im Marionettentheater? Steve Biddulph präsentiert dazu einige Fakten aus psychologischen und statistischen Studien, die in mehreren Ländern der westlichen Kultur durchgeführt wurden – auch in europäischen;  darunter Österreich.

Text-Auszüge aus dem Buch ...

„ ... Die meisten Männer leben nicht. Sie verstellen sich. Sie tun so, als ob sie glücklich wären, und alles sei eitel Sonnenschein. Sie halten diese Fassade aufrecht, um sich zu schützen, und tun alles, diese Rolle möglichst glaubwürdig zu spielen, weil sie hoffen, dass es einen schönen Tages „Peng!“ macht, und dann ist alles gut. Leider tritt dieser Fall nie ein. Die Männerrollen folgen uralten Mustern. Cooler Typ. Hart arbeitender Ernährer. Sensibler neuer Mann. Knallharter Kerl. Guter Kumpel. Und so weiter. Dabei ist eines so falsch wie das andere. Kleine Kinder beiderlei Geschlechts gehen mit Neugierde und Hoffnung ins Leben. Sie fühlen sich lebendig und sind voller Vorfreude auf die Abenteuer, die das Leben bringen wird. Deshalb macht es auch so viel Vergnügen, sich in Gegenwart von Kindern aufzuhalten.

Leider wird dieses Lebensgefühl besonders den Jungen sehr früh ausgetrieben, bis es mit der Zeit völlig erlischt. Sind aus den Jungen dann Männer geworden, gleichen sie Tigern, die im Zoo aufgezogen worden sind. Sie sind verwirrt, benommen, während in ihrem Inneren gewaltige, nie angezapfte Energien brodeln. Sie haben zwar das Gefühl, da müsste im Leben noch mehr sein, aber sie wissen nicht, wie dieses Mehr beschaffen sein könnte. Deshalb versuchen sie fortan, dem Freundeskreis, der Familie und sich selbst vorzumachen, sie führten ein glückliches und erfülltes Leben. Rund um die Uhr die Rolle des Perfekten oder Durchtrainierten und Überlegenen zu spielen, ist sehr anstrengend. Und so kann es nicht erstaunen, wenn eines Tages diese Fassade Risse zu zeigen beginnt.

Vielleicht haben Sie das schon selbst gespürt. Manchmal und selten genug erleben wir als Männer Augenblicke, die uns eine Ahnung geben, wie das Leben wirklich sein könnte. Wir stehen allein an einem Strand und gehen in den Wellen, der Vegetation und den Wolken auf. Wir erleben Momente mit einer Frau – überwältigende Leidenschaft oder die wunderbare Harmonie gegenseitigen Verstehens und Vertrauens. Es kann passieren, wenn wir nichts Anderes tun, als einfach Musik zu hören oder einen Film anzusehen. Man begegnet etwas beunruhigend Schönem, und schon ist der gute Augenblick wieder vorbei.

E
s gibt unumstößliche Beweise dafür, dass Männer das gesamte 20. Jahrhundert hindurch zutiefst gelitten haben. Selbstmord, vorzeitiger Tod, Unfälle und Süchte aller Arten – sämtliche Statistiken werden von Männern angeführt. Und verletzte Männer neigen dazu, auch anderen massives Leid zuzufügen. Körperliche Gewalt gegen die Partnerin, sexueller Missbrauch von Kindern, Scheidung, Korruption in Geschäftswelt und Politik – all das sind Zeichen, dass mit einer großen Anzahl von Männern etwas nicht in Ordnung ist. Massaker an Schulen. Serienmörder. Männer, immer sind es Männer.

Wann ist ein Mann ein Mann? In Zeiten weiblicher Gleichberechtigung und in der Erziehung der Kinder teils völlig abwesender Männer (Kindergärten, Schulen, Familien) ist das männliche Rollenbild komplett ins Wanken geraten. Dazu kommen diese harten Fakten: Männer leben im Schnitt um sieben Jahre kürzer als Frauen. Männern scheitern sehr oft in ihren Intimbeziehungen (nahezu jede dritte Eher zerbricht, wobei in vier von sechs Fällen die Frau die Scheidung einreicht). Knapp 80 Prozent aller Verurteilungen wegen körperlicher Gewalt betreffen Männer. In den Schulen sind drei Viertel der Kinder mit Verhaltensstörungen Jungen, und mehr als zwei Drittel der Kinder mit Lernstörungen sind ebenfalls Jungen. Mehr als 95 Prozent aller Gefängnisinsassen sind Männer. Und die dritthäufigste Todesursache von Männern zwischen 15 und 65 ist Selbstmord.

W
ie kam es, dass Familien unter entfremdeten, launischen, verunsicherten, verklemmten und verkrampften Väter und Ehemännern zu leiden haben? Erst vor etwa zehn Jahren haben Autoren rund um den Globus angefangen, auf ein Phänomen aufmerksam zu machen, was offensichtlich ist, was aber zuvor offenbar nie wirklich bewusst bemerkt wurde: Die Jungen in westlichen Industriegesellschaften wachsen seit den 1950er-Jahren immer stärker „unter-vatert“ auf und bleiben auf dem Weg zum Mannsein weitestgehend sich selbst und klischeehaften Medienbildern – die auf bizarrem Heroismus beruhen - überlassen und ausgeliefert. Erwachsene Männer aller Altersgruppen kümmern sich kaum oder überhaupt nicht mehr um den Reifungsprozess der männlichen Jugend. Mentoren, die eine positive Form von Führung übernehmen könnten, sind sehr rar geworden.

Ohne Mentoren, gute Männer und gute Väter, ohne tief greifendes Üben und Lernen des Mannseins bekommen Jungen zwar weiterhin große und starke Körper, doch durchlaufen sie nicht die entsprechenden seelischen und gefühlsmäßigen Veränderungen, die zum Erlangen echter Reife notwendig sind. Die meisten Väter in der industrialisierten Welt sind heute ihren Kindern fern und fremd – sie sind es seit der Industriellen Revolution, seit etwa vier bis fünf Generationen. Und eine Reihe schrecklicher Schläge – Weltkriege und Rezessionen – haben den Schaden noch vergrößert. Die meisten Väter, an die wir uns heute erinnern, waren barsch, schwierig und emotional verschlossen, um nicht zu sagen amputiert. Und wie sind wir? ..."

Frauen- und Männerbilder auf dem Prüfstand

Sind Einsatzkräfte der meisten Institutionen im eher konservativen Österreich (nicht parteipolitisch gemeint  sondern historisch, soziologisch, strukturell) noch immer eine scheinbar "harte" Männerwelt, in der Weicheier, Nachdenker und Bücherleser wenig zu suchen haben? Sind wir weiterhin heldische Bünde, noch immer grundlegend reform- und beratungsresistent, was Modernisierungen im Kopf betrifft? Motto: „Wir haben das schon vor 50 Jahren gewusst, besser gewusst, und das ist auch heute noch so, wird immer so sein!“

Denkwürdiges Zeichen, das zumindest in diese Richtung deutet, ist der Umgang - vorwiegend Älterer - mit Frauen, die bei Einsatzkräften aufgenommen werden wollen. Manche Aussagen zu diesem Thema sind wahrlich kein Ruhmesblatt, und es ist für manche Bewerberin ein Trost, das sich unter Jüngeren immer weniger solcher Vorurteile gegen Frauen finden. 

Hilfe und Selbsthilfe
Aus eigener Erfahrung und Freundschaften wissen wir, dass es in Alpinistenkreisen nicht wenige Männer gibt, denen beziehungsmäßig, mit sich selbst bzw. in der Ehe die Sch..... (Schwierigkeit) bis zum Hals steht. Manche schaffen es auch nicht mehr, den Vulkan mit Extremsport unter Kontrolle zu halten. Wer Hilfe braucht (anonym) - sollte sich vielleicht an eines der "Männerbüros" in Österreich wenden. (GL)

Alle Kontakte in den Bundesländern via www.maenner.at 

Zu dem Buch gibt es auch eine Einschätzung der Kärntner Ärztin, Bergrettungsärztin, Psychologin und Psychotherapeutin Ulley Rolles. Die Sache sei naturgemäß etwas plakativ dargestellt: "Aber was meine männlichen Patienten, die zur Psychotherapie kommen, betrifft, kann ich vieles unterstreichen!"

Bibliografie
Biddulph, Steve: Männer auf der Suche, sieben Schritte zur Befreiung. Taschenbuch. Heyne-Verlag. München 2007. ISBN 978-3-453-86903-5