Flugrettung im Rahmen des Bergrettungsdienstes
Was sind Aufgaben der Berg- und Flugretter des ÖBRD?
Wie sind sie ausgebildet?
Flugretter – und mittlerweile längst auch Flugretterinnen - auf alpinen Stützpunkt von Notarzthubschraubern (mit Vier-Personen-Besatzungen) sind erfahrene Bergespezialisten und Navigatoren, die in der Kanzel neben dem Piloten sitzen, wenn sie nicht bei Rettungsaktionen am langen Tau unter dem Hubschrauber hängen. Auf alpinen Stützpunkten mit Drei-Personen-Crews müssen Flugretter zusätzlich speziell geschulte und geprüfte Notfallsanitäter sein. Auf klassischen alpinen Stützpunkten sind Flugretter neben ihren speziellen technischen Aufgaben auch die „rechte Hand“ der Flug- und Bergrettungsärzte an Bord der Hubschrauber. Sie assistieren auch medizinisch bei Erstversorgung und Transport.
Voraussetzungen zur Zulassung als Flugretter/Flugretterin
des Österreichischen Bergrettungsdienstes
- Abgeschlossene Bergrettungsausbildung
- Große bergsteigerische und klettertechnische Erfahrung
- Entsprechende Ausbildung in alpiner Rettungstechnik (entsprechend dem Anforderungsprofil des jeweiligen Landesverbandes)
- Abgeschlossene Ausbildung zum Notfallsanitäter (bei 3er- Crews auf alpinen Stützpunkten)
- Hohe physische und psychische Belastbarkeit
- Teamfähigkeit und Gesprächsbereitschaft als weiteres, sehr zentrales Auswahlkriterium
Neben der Bergrettungsausbildung und der medizinischen Ausbildung werden Flugretter intensiv auf die Tätigkeit als HEMS Crew Member (Helicopter Emergency Medical System) durch den jeweiligen Flugrettungsbetreiber ausgebildet. Durch dieses strenge Auswahlverfahren ist gewährleistet, dass nur die besten und auch psychologisch bestgeeigneten Männer oder Frauen diese Tätigkeit ausüben. Fehler durch übereifrige oder schlampige Leute könnten für die gesamte Hubschrauberbesatzung und Patienten nämlich in kürzester Zeit sehr gefährlich werden.
Flug- und Bergrettungsärzte
Auf vielen alpinen Stützpunkten verrichten unsere Bergrettungsärzte als Not- und Flugrettungsärzte regelmäßig ihre Dienste. Große alpine Erfahrung in Verbindung mit guten Kenntnissen der Organisationsstruktur der Bergrettung hilft in vielen Fällen, die Einsatzzeiten zu verkürzen. Daneben geben Ärzte des Bergrettungsdienstes ihre Kenntnisse an alle anderen Mitglieder des Bergrettungsdienstes weiter – bei Vorträgen und praktischen Übungen. . Neben den Flugrettern sind unsere Ärzte wichtige Kommunikatoren und Akteure im Zusammenspiel zwischen boden- und luftgebundenen Kräften im Bergrettungsdienst.
Voraussetzungen für Bergrettungsärzte in Hubschrauber-Crews sind neben der abgeschlossenen medizinischen Ausbildung und dem Notarztdiplom eine komplette Bergrettungsausbildung sowie entsprechende bergsteigerische Erfahrung. Diese Kriterien sind in den Richtlinien der IKAR (Internationale Kommission für Alpines Rettungswesen) vorgegeben. Flugretter und Flugrettungsärzte aus den Reihen des Österreichischen Bergrettungsdienstes – Männer und Frauen - sind zu jährlichen Fortbildungen verpflichtet.
Bergretter und Hubschrauber - perfekte Ergänzung

- Antonia (4) besucht Salzburger Hubschrauberstützpunkt und wird von unserem Flugretter Sepp Hettegger sowie von Captain Tom Brändle betreut; mit kurzem Probesitzen im Cockpit ... Pilotin bzw. Flug- oder Bergretterin der Zukunft?
Nach dem aktuellen Standard in Europa ist die Flugrettung aus dem Bergrettungsdienst generell nicht mehr wegzudenken. Während früher Unfallopfer im Gebirge oft stundenlang über schwierigstes Terrain geborgen werden mussten, kann heute mit der Unterstützung einer professionellen Crew ein Einsatz in Zusammenarbeit mit bodengebundenen Kräften sehr schonend und rasch abgewickelt werden. Das rasche Eintreffen des Hubschraubers und optimale Erstversorgung am Unfallort gewährleisten enorme Verkürzung der Bergezeit und dadurch einen entscheidenden Zeitvorteil bis zur Übergabe an das Krankenhaus. Das bringt in vielen Fällen stark verbesserte Überlebenschancen. Dazu kommt eine deutliche Verkürzung der Rekonvaleszenz. Je früher jemand auf dem Operationstisch liegt, umso größer seien die Heilungs- und Rehabilitationsmöglichkeiten, sagen führende Chirurgen.
Schlagkraft bei Lawinen-Einsätzen
Das optimale Zusammenspiel der bodengebundenen Bergretter mit Hubschraubercrews ist generell von enormer Bedeutung. Vor allem bei Lawinenunfällen entscheiden Schnelligkeit, Professionalität und Einsatzerfahrung aller Teilnehmer mitunter über Leben und Tod von Opfern. Hubschrauber bringen nicht nur rasch Notärzte und Flugrettungssanitäter, Hundeführer und ihre Tiere an den Unfallort. Daneben unterstützten Hubschrauber auch den Mannschaftstransport ganz entscheidend, der die Verfügbarkeit von genügend Rettern auf dem Lawinenfeld erst sicherstellt. Statistiken beweisen, dass sich durch diese Zusammenarbeit in Kombination mit effizienten Suchstrategien und einer optimalen medizinischen Betreuung die Überlebenschancen von Verschütteten deutlich erhöht haben. Nach der Bergung können unter fortlaufender intensivmedizinischer Betreuung auch besondere Kliniken angeflogen werden, die auf Behandlung von tief unterkühlten Verschütteten spezialisiert sind.
Viele Vorteile, schnelle Hilfe

- Die Funkhelme der Flug- und Bergretter sind mittlerweile handlicher, noch schlagfester und leichter geworden ...
Früher waren nach wegen der – in einer Zeit ohne Mobiltelefone oft verspätet eintreffenden - Alarmierungen stundenlange Aufstiege, nur behelfsmäßige Notversorgung und ebenso lange wie mühevolle Abtransporte bei Bergunfällen üblich; mit entsprechend stärkerer Lebensgefahr für Schwerverletzte. Bei entsprechendem Flugwetter verkürzt sich durch einen planmäßigen Hubschraubereinsatz ein derartiges Szenario oft auf sehr kurze Zeit. In vielen Fällen erledigen heute die Crews einen Alpineinsatz, ohne dass Bodenkräfte überhaupt benötigt werden. Allerdings ist ein Hubschrauber nur bei guten Sichtbedingungen am Tag einsetzbar. Daher braucht es bei vielen Einsätzen weiter und in alle Zukunft die gut funktionierende Koordination des lokalen Bergrettungsdienstes mit Hubschrauberteams. Wenn bei schlechten Sichtbedingungen der Einsatzort für den Hubschrauber nicht erreichbar ist, können Mannschaften zumindest in die Nähe geflogen werden und dennoch in kurzer Zeit den Unfallort erreichen.
Gegenseitige Unterstützung
Oft unterstützen bodengebundene Mannschaften eine Hubschrauber-Crew bei der Bergung, wenn diese durch topographische Gegebenheiten diesen aus der Luft nicht direkt erreichen kann (Waldgebiete, Schluchten, Canyons, Gletscherspalten etc.). Durch regelmäßige gemeinsame Übungen wird optimale Zusammenarbeit überhaupt erst möglich. Auch bei Einsätzen mit unklaren Unfallorten ist der Hubschrauber eine wertvolle Hilfe, da man aus der Luft oft sehr schnelle Sucherfolge erzielen kann. Damit bleiben den Bergrettern mühevolle bis zermürbende Suchaktionen erspart.
Geschichte und Gegenwart
Seit 1954 wird in Österreich die Flugrettung betrieben. Und seit dem ersten Einsatz wird sie bei Unfällen im unwegsamen Gelände in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Bergrettungsdienst durchgeführt. 1983 begann dann der planmäßige und flächendeckende Ausbau der Flugrettungsflotte in Österreich durch Innenministerium und ÖAMTC. 2001 wurden die Flugrettungsaufgaben des Innenministeriums an den Christophorus-Flugrettungsverein (CFV) übertragen. Daneben fliegen eine nicht unerhebliche Anzahl von Maschinen anderer privater Hubschrauberfirmen Einsätze im alpinen Bereich: Heli-Ambulance-Team - HAT, Knaus, Schider, DRF, …
Wurden anfangs die Einsätze nach Verfügbarkeit von Helikoptern und mehr oder weniger zufällig absolviert, so ist seit den 1980er-Jahren die Flugrettung planmäßig in das alpine Rettungswesen integriert. Die Teams arbeiten eng mit den bodengebundenen Mannschaften der Bergrettung zusammen. Wer wie eingesetzt wird, hängt in vielen Fällen mit dem Wetter zusammen. Wenn Hubschrauber nicht fliegen dürfen/können, bleibt im Notfall nur der klassische Bergrettungseinsatz wie in jenen Zeiten, als es noch Hubschrauber gab.
Helikopter brachten starken Modernisierungsschub
Die am Beginn der Flugrettung eingesetzten Maschinen muten aus heutiger Sicht abenteuerlich an. Dennoch war ihr Einsatz ein Meilenstein des alpinen Rettungswesens. Seit dem professionellen Ausbau des Systems durch Innenministerium und ÖAMTC kamen dann leistungsfähigere Maschinen mit komplettem medizinischem Equipment vom Typ Ecureuil zum Einsatz.
Seit Übernahme der Flugrettung durch den ÖAMTC – mittels staatlichen Vertrags - wird bundesweit flächendeckend mit modernsten Hubschraubern des Typs Eurocopter EC 135 geflogen. Ihr Raumangebot, die Leistungsfähigkeit und Ausrüstung garantieren für alle alpinen Einsatzarten zusammen mit modernsten medizinischen Geräten einen hervorragenden Standard.












