###CONTENT_LEFT###
###CONTENT_RIGHT###

Leitlinien: Medizin & Erste Hilfe im Bergrettungsdienst

Erste-Hilfe-Kurs für Nachwuchskräfte der Bergrettung. Bild: Gerald Lehner
Erste-Hilfe-Kurs für Nachwuchskräfte der Bergrettung.

Von Dr. Fidel Elsensohn, leitender Bergrettungsarzt des ÖBRD (Bundesarzt)

Eine äußerst wichtige Aufgabe von Bergrettungsleuten im Zuge des Einsatzes ist die optimale medizinische Versorgung von Verletzten. Das erfordert solide Ausbildung und Praxis. Allein schon die klimatischen und topografischen Bedingungen sowie Gefahren, bei denen wir arbeiten und noch einsatzfähig sein sollen, unterscheiden sich grundlegend und deutlich von (fast) allen Rettungsorganisationen.

Hilfeleistung bei Nacht, Nässe, Kälte, Schnee und stürmischem Wetter ist oft nur unter erschwerten bis extremen Bedingungen möglich. Das erfordert solide Grundkenntnisse sowie viel Erfahrung und Improvisationsvermögen im Medizinischen und Alpinistischen. Eine Verletzung, die auf dem „flachen  Land“ ein gängiger Standard für Helfer ist, kann unter alpinen und hochalpinen Bedingungen schnell zur lebensgefährlichen Bedrohung des Unfallopfers werden. Oft geht es wirklich um die sprichwörtlichen Minuten – beispielsweise bei Lawinenunfällen. Oft ziehen sich Bergungen unter extremen Bedingungen über Stunden hin, wenn lange und schwierige Transporte in steilem und/oder felsigem Gelände nötig werden – bei Nacht oder an Sturmtagen, wo an den Einsatz des Helikopters nicht zu denken ist. Besonders heikel können auch Unfälle beim Canyoning sein, da hier sehr unwegsames Gelände, Nässe und Kälte böse zusammenwirken können. In jedem Fall ist optimale Versorgung durch Ersthelfer und Bergrettungskräfte das oberste Gebot bis zur Übergabe von Patienten an boden- oder hubschraubergebundene Not- und Bergrettungsärzte.

Ausbildung in Erster Hilfe beim Bergrettungsdienst (ÖBRD)
Das Fachreferat „Medizin/Erste Hilfe“ im Bundesverband des ÖBRD besteht aus den Landesärzten, leitenden Flugrettungsärzten und anderen erfahrenen Notärzten, die für Einsätze im alpinen Gelände zusätzlich ausgebildet sind.

Aufgaben des Referats:

1. Ausbildung der nicht-ärztlichen Einsatzkräfte: Das ärztliche Kollegium des ÖBRD erarbeitet Ausbildungsinhalte und fachliche Unterlagen, nach denen bundesweit einheitlich ausgebildet wird. Dazu wurden die gesamten Ausbildungsinhalte über das Präsentationsprogramm Powerpoint auf einer CD gesammelt, redigiert und allen 292 Ortsstellen und Ortsstellenärzten in Österreich digital zur Verfügung gestellt.

2. Weiterbildung: Die sieben ÖBRD-Landesärzte sind in ihrem jeweiligen Bundesland für die gesamte medizinische Ausbildung und die Weiterbildung verantwortlich.

3. Materialtests und Empfehlungen: Das ärztliche Kollegium im ÖBRD prüft neue medizinische Produkte und Hilfsmittel. Diese werden gegebenenfalls den Einsatzkräften bundesweit empfohlen.

4. Kooperationen & Erfahrungsaustausch: Das medizinische Fachreferat arbeitet eng mit anderen alpinmedizinischen Organisationen zusammen und ist in diesen mit Sitz und Stimme vertreten. (Int. Kommission für alpine Notfallmedizin (IKAR MEDCOM), Österreichische Gesellschaft für Alpin und Höhenmedizin (ÖGAHM). Daneben werden intensive Kontakte zu Bergrettungsdiensten und ärztlichen Kollegen in einigen Teilen der Erde gepflegt.

5. Organisatorisches: Der Leiter des Bundesfachreferates übt die Funktion des Bundesarztes aus und ist im Bundesvorstand des Bergrettungsdienstes (Bundesverband) vertreten.

Medizinische Grundausbildung im ÖBRD
Neben der technischen Ausbildung ist eine allgemeine und spezielle Ausbildung in Erster Hilfe für jede Bergretterin und jeden Bergretter vorgeschrieben. Diese umfasst einen Grundkurs in Erster Hilfe im Umfang von 16 Stunden, wie er beispielsweise auch  vom Roten Kreuz oder anderen Rettungsorganisationen angeboten wird. Fallweise wird dieser Kurs auch von einzelnen Ortsstellen der Bergrettung angeboten. Er ist neben dem bergsteigerischen Können eine Grundvoraussetzung für die weitere Ausbildung. Während der gesamten Ausbildung genießt der Anwärter oder die Anwärterin eine weitere 24-stündige spezielle Ausbildung in Alpinmedizin. Der gesamte Inhalt dieser Ausbildung steht als Lehrbehelf in Form einer CD den Ortsstellen und Landesleitungen zur Verfügung.

Erstes Modul der alpinmedizinischen Ausbildung:  16 Stunden 
Das umfasst hauptsächlich Theorie und folgende Fachgebiete:

- Spezielle Alpinmedizin (Lawinenmedizin, Unterkühlung, Erfrierung, Logistik des Lawinenunfalles)
- Alpine Traumatologie
- Internistische Notfälle
- Bergung, Lagerung und Transport von Verletzten
- Spezielle Notfälle:  Erschöpfung, Höhenmedizin, Blitzschlag, Sturz ins Seil, Schlangenbisse, Unterkühlung, Erfrierungen, Hitze ...

Zweites Modul:  8 Stunden
Dabei wird Anwärtern die Möglichkeit geboten, Erste Hilfe bei alpinen Unfällen bzw. deren Simulation praktisch anzuwenden. Im Stationsbetrieb beim Kurs werden verschiedene Unfallsituationen geübt.

Abschlussprüfung
Nach Abschluss der Ausbildung wird in einer lockeren Atmosphäre der Wissensstand des Anwärters ermittelt. (z.B. Reanimation, Seitenlagerung, Vakuummatratze, schwere Blutung ...) Ziel des ärztlichen Lehrpersonals ist nicht das „Durchfallen“ oder „Bestehen“ sondern die Teilnehmer zu genauem Arbeiten zu motivieren. Während der Zeit als Anwärter ist die Teilnahme am gesamten medizinischen Angebot der Ortsstelle obligat.

Qualitätssicherung
Jedes Mitglied der Bergrettung ist zur Weiterbildung bei Heimabenden im Umfang von mindestens fünf Stunden pro Jahr angehalten. Dabei müssen die wichtigsten Teile der Ersten Hilfe (Reanimation, Lagerung, Notfallcheck und Blutungsstillung) jährlich praktisch geübt werden.

Weitere Ausbildung zu hochspezialisiertem Personal
Jeder Bergretter kann in zusätzlichen Schritten noch weitergehende Ausbildung in Erster Hilfe absolvieren. Für einige Funktionen bei den Einsatzkräften ist diese unbedingt notwendig (z.B. Flugretter). Dabei gibt es zwei durch das Sanitätergesetz geregelte Ausbildungsstufen: Rettungssanitäter (100 Stunden Theorie und 160 Stunden Praxis) und Notfallsanitäter (160 Stunden Theorie und 100 Stunden Praxis).

Flugrettungssanitäter
Zur Tätigkeit als Flugrettungssanitäter im Bergrettungsdienst ist der Ausbildungsgrad als Notfallsanitäter eine Mindestanforderung neben den rettungstechnischen Fähigkeiten und der Ausbildung als HEMS Crew Member. Flugrettungssanitäter der Bergrettung sind derzeit auf allen alpinen Hubschrauber-Basen in Österreich eingesetzt, wo es Besatzungen mit drei Personen gibt. 

Bergrettungsärzte
Wir gehören zum Rückgrat der Bergrettung. Wir bringen als Notärzte auch bei schwierigsten Einsätzen unsere alpinen und medizinischen Kenntnisse und Erfahrungen ein; zur effektiven Rettung von Unfallopfern. Viele Bergrettungsärzte fliegen auch als Notärzte auf Notarzthubschraubern verschiedener Flugrettungsbetreiber. Daneben sind sie entscheidend in die Ausbildungstätigkeit der Bergrettung eingebunden.
Medizin.119.0.html