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Christophorus 8 am Heliport in Nenzing (Bild: ÖBRD)
Christophorus 8 am Heliport in Nenzing (Bild: ÖBRD)
Christophorus 8 im Einsatz (Bild: ÖBRD)
Christophorus 8 im Einsatz (Bild: ÖBRD)
Eine Gondelbergung wird geübt (Bild: ÖBRD)
Eine Gondelbergung wird geübt (Bild: ÖBRD)
Ein Pistenretter weist den Hubschrauber ein (Bild: ÖBRD)
Ein Pistenretter weist den Hubschrauber ein (Bild: ÖBRD)
Der kleine Bruder von Christophorus 8 - Gallus 1 bei einer Taubergung (Bild: ÖBRD)
Der kleine Bruder von Christophorus 8 - Gallus 1 bei einer Taubergung (Bild: ÖBRD)
Gallus 1 in neuem Design (Bild: Wucher Helicopter)
Gallus 1 in neuem Design (Bild: Wucher Helicopter)
Seit 2010 besitzt auch Wucher Helicopter eine EC 135 (Bild: Wucher Helicopter)
Seit 2010 besitzt auch Wucher Helicopter eine EC 135 (Bild: Wucher Helicopter)
Flugretter und Notarzt vor einer Taubergung (Bild: Wucher Helicopter)
Flugretter und Notarzt vor einer Taubergung (Bild: Wucher Helicopter)
Gallus 1 dreht ab (Bild: Wucher Helicopter)
Gallus 1 dreht ab (Bild: Wucher Helicopter)

Einzigartig in Österreich: Bergrettung als Betreiber eines Notarzthubschraubers

Von Gebhard Barbisch/ÖBRD-Landesleiter Vorarlberg & Markus Zott/ÖBRD

Nach der Kündigung des Vertrages mit dem BMI durch den Christophorus Flugrettungsverein ist die Frage der weiteren Organisation der Flugrettung nach 2010 in allen betroffenen Bundesländern, außer in Vorarlberg, ungeklärt. Im westlichsten Bundesland existiert eine einfache und sehr konstruktive Lösung: Die Flugrettung wird durch den Österreichischen Bergrettungsdienst im Auftrag des Landes Vorarlberg organisiert und betrieben.


Aus der Geschichte
Bereits 1968 wurde die Flugeinsatzstelle des Bundesministerium für Inneres (BMI) am örtlichen Flugplatz in Hohenems errichtet, damals flog ein Hubschrauber des Typs Agusta Bell 47 erste Einsätze. Erst durch die Zunahme des (Winter-)Tourismus wurde die Alpingendarmerie und der österreichische Bergrettungsdienst immer öfter zu alpinen Einsätzen gerufen, wobei hier oftmals der Hubschrauber zum raschen Transport von Einsatzgerät und Personal verwendet wurde.

Bereits ein Jahr später, im November 1969, konnte die Flugeinsatzstelle in die neu geschaffenen Räumlichkeiten übersiedeln, zuvor waren Piloten und Personal in einem Provisorium untergebracht. Durch die Unterstützung des Landes Vorarlberg konnte das gesamte Gebäude mit Kontrollturm und eigenem Hubschrauberhangar errichtet werden.

Seit August 1986 war die Flugeinsatzstelle Hohenems in den Österreichweiten Flugrettungsdienst eingebunden, bis zum Jahr 2001, in dem das Bundesministerium seine Aufgaben  in der Flugrettung an den Christophorus Flugrettungsvereines delegierte. Bis dahin wurden Einsätze mit einer AS 350 Ecurueil geflogen, davor war ein Bell Jet Ranger im Einsatz, der jedoch für die Flugrettung nur sehr beschränkt tauglich war. Bis zum Neubau der Flugeinsatzstelle gab es jedoch Schwierigkeiten, da der Hangar nur für zweiblättrige Hubschrauber Platz fand, die 3 Rotorblätter der "Ecureuil" mussten jedes Mal aufwendig "gefaltet" werden.

Aus "Martin 8" wird "Christophorus 8"
Mit der Übernahme der Aufgaben des BMI an der Flugrettung in Österreich durch den Christophorus Flugrettungsverein im Jahr 2001 wurde auch aus "Martin 8" ein "Christophorus"-Notarzthubschrauber. "Christophorus 8" (kurz "C8") startete am 1. Jänner 2001 seinen Dienst, da das Platzangebot am Areal der Flugeinsatzstelle zu gering war, entschloss man sich, den Standort zu verlegen. Die Vorarlberger Bergrettung suchte und fand deshalb einen geeigneten Landeplatz und Heliport am Areal des Bauunternehmens Rüscher, das als zweiten Geschäftszweig Hubschrauber-Bedarfsflüge betrieben hat. Dadurch war auch ein moderner Heliport gewährleistet, der über die nötige Infrastruktur verfügte. Da dieser Standort nur als Übergangslösung gedacht war, entschloss sich die Landesregierung Vorarlberg einen geeigneten Platz für einen Stützpunkt zu suchen. Nach drei Jahren wurde dieser Heliport von einer anderen Firma (Schenkair) übernommen. Deshalb musste kurzfristig auf den Heliport der Firma Wucher ausgewichen werden, nachdem damals der neue Standort noch nicht fertig gestellt war.

Nach den beiden "Übergangsquartieren" wurde im Dezember 2006 der neue Stützpunkt Heliport Vorarlberg der Vorarlberger Flugrettung in Nenzing (Bezirk Bludenz) in Betrieb genommen. Die feierliche Übergabe des Heliportes an die Vorarlberger Bergrettung erfolgte im Frühjahr 2007. Durch den neuen Hubschrauberstützpunkt, dessen 1.080 Quadratmeter große Landeplattform acht Meter über dem Boden schwebt, konnten die Qualität und die Sicherheit der Vorarlberger Flugrettung noch einmal optimiert werden.

Für die Organisation und den Betrieb von Christophorus 8 zeichnet die Vorarlberger Bergrettung verantwortlich. Zusätzlich zum luftgestützten Notarztdienst, für den die Bergrettung verantwortlich ist, gibt es in Vorarlberg auch ein flächendeckendes bodengebundenes Notarztsystem, das vom Land dem Roten Kreuz übertragen wurde. Durch die Tatsache, dass das Land Vorarlberg die Aufgabenstellungen im Rahmen der notärztlichen Versorgung den dafür am besten geeigneten Rettungsorganisationen übertragen hat, konnten zwei optimale Systeme nebeneinander und ohne jeden Konkurrenzdruck entstehen - zum Wohle der Vorarlberger Bevölkerung und der Touristen.

"Gallus 1" - die tatkräftige Unterstützung in den Wintermonaten
In den tourismusstarken Wintermonaten betreibt die Bergrettung zusätzlich einen zweiten Notarzthubschrauber. Dieser Notarzthubschrauber wird in Kooperation mit der Firma Wucher Helicopter betrieben. Die Bereitstellung des Hubschraubers erfolgt durch das "Heli Ambulance Team".

Dieser Notarzthubschrauber ist während der Wintermonate von Dezember bis April am Stützpunkt in Zürs am Arlberg stationiert.
Obwohl nur während der Wintermonate in Betrieb, wird "Gallus 1" – so sein Funkrufname – auf dem qualitativ gleich hohen Niveau wie der Ganzjahresstützpunkt "C8" betrieben. Die von der Firma Wucher bereitgestellten Piloten sind hervorragende Kenner der Vorarlberger Gebirgslandschaft.

Crew
In der Vorarlberger Flugrettung wird grundsätzlich mit einer 3-Mann-Crew bestehend aus Pilot, Flugretter/HCM (HEMS Crew Member) und Notarzt geflogen. Der Pilot für den Stützpunkt in Galina kommt vom Christophorus Flugrettungsverein, der zusätzlich den Hubschrauber, eine EC 135, stellt.

Flugretter bzw. HEMS Crew Member haben verschiedene Aufgaben in der Flugrettung, daher auch diverse Ausbildungen bei verschiedenen Organisationen. Auf Grund der topographischen Verhältnisse und den dadurch bedingten häufigen Einsätzen in schwierigem Gelände, müssen alle Flugretter aktive Alpinausbilder in der Vorarlberger Bergrettung sein, zusätzlich wird für die Notarztassistenz die Ausbildung zum Notfallsanitäter verlangt. Sind diese Ausbildungen absolviert, erfolgt der letzte Schritt, die Ausbildung zum HEMS Crew Member. Der HCM unterstützt den Piloten bei Navigation und Funk, zusätzlich nimmt er am Stützpunkt Tätigkeiten wie die Betankung der Maschine, Überwachung des Startvorganges etc. wahr.

Die Notärzte kommen aus dem regulären Notarztdienst, und sind meist Fachärzte an Krankenhäusern. In der Vorarlberger Flugrettung wird aber zu dem eine alpine Qualifikation für die Notärzte verlangt. Die Notärzte müssen nach den neuen Vorgaben auch eine komplette Bergretterausbildung absolvieren und als Bergrettungsärzte auch in einer Ortsstelle tätig.

Zusätzlich kommen im Winter ab Lawinenwarnstufe 3 an den Wochenende die Lawinenhundeführer mit ihren Spürnasen auf den Dienstplan. Steigt die Lawinengefahr auf Warnstufe 4 auch während der Woche.

Für Organisation an den Stützpunkten zeichnet die sogenannte Leitergruppe verantwortlich, bestehend aus Stützpunktleiter (Pilot), leitendem Flugretter, und leitendem Notarzt (bzw. Flugrettungsarzt).

Bei "Christophorus 8" werden diese Tätigkeiten von folgenden Personen wahrgenommen:

  • Stützpunktleiter: Cpt. Urban Bolter
  • Leitender Flugretter: Artur Köb
  • Leitender Notarzt: Dr. Adolf Zoll

Bei "Gallus 1" ist das folgende Mannschaft:

  • Stützpunktleiter: Cpt. Walter Seifert
  • Leitender Flugretter: Bernd Fischer
  • Leitender Notarzt: Dr. Christian Flaig

Artur Köb ist zudem Bundesfachreferent für Flugrettung, und somit für alle flugrettungstechnischen Fachfragen im Bundesverband des ÖBRD erster Ansprechpartner.

Aus der Statistik

Von 2001 bis 2008 absolvierte Christophorus 8 6.205 Einsätze, das entspricht knapp 775 Einsätze pro Jahr, im Jahr 2008 waren es 794 Einsätze. Der Grossteil dieser Einsätze wird in Vorarlberg geflogen, es gibt aber auch Einsätze in Tirol, Deutschland, und der Schweiz. Ist Christophorus 8 im Einsatz, helfen aber auch die Kollegen aus Tirol (Christophorus 5) immer wieder aus.

Interessante Links

Blick in unser Archiv:

  • Erste Studie über Flugrettung - Erfolgsgeschichte mit Trend zum Negativen?
    Die erste wissenschaftliche Studie über Flugrettung in Österreich beleuchtet ein schwieriges Spannungsfeld, das auch den ehrenamtlichen Bergrettungsdienst als Partner von Flugrettungsunternehmen betrifft. Erstellt hat diese neutrale Bestandsaufnahme der in Österreich alles andere als ausgewogen verteilten Hubschrauber-Stützpunkte ein junger Wissenschafter aus Seewalchen am Attersee (Oktober 2008).

  • Historische Entwicklung der Flugpolizei in Österreich
    Die Lawinenkatastrophen von 1953 und 1954 im Gasteiner Tal, im Großen Walsertal sowie die Überschwemmungen im Donautal 1954 führten zur Installierung der Flugpolizei in Österreich, die über Jahrzehnte auch die Flugrettung in Österreich zum Teil innehatte. Der Bericht von Mag. Werner Senn, Leiter der Österreichischen Flugpolizei, ist im Jahrbuch 2008 des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit erschienen (Februar 2009).