Die Überfliegerin

- Die Intensivkrankenschwester Brigitte Gradnitzer ist nicht nur Flugretterin, sondern auch Bergretterin (Bild: Kleine Zeitung)

- Brigitte Gradnitzer ist leitende Flugrettungssanitäterin im Team von RK1 (Bild: DRF Luftrettung)

- Manche in diesem Land fordern ein Kopftuchverbot. Wie kann man nur?
von Manuela Kalser/Kleine Zeitung
Brigitte Gradnitzer geht oft in die Luft. Sehr oft sogar: In den vergangenen Jahren an die 1600 Mal - denn sie ist Flugretterin beim Roten Kreuz, und das seit der Geburtsstunde des Rettungshubschraubers RK 1.
Als die "fliegenden Retter des Roten Kreuzes" kürzlich ihr zehnjähriges Bestandsjubiläum in der Landesregierung feierten, fehlte Gradnitzer. "Ich hatte Dienst." Typisch: Die 31-Jährige arbeitet viel - und gern. Hauptberuflich ist sie Intensivkrankenschwester im LKH Villach, ehrenamtlich ist sie, wie gesagt, Flugretterin. Und ganz nebenbei hilft sie seit sieben Jahren noch bei der Bergrettung mit.
Zeit für ihr Lieblingshobby hat sie trotzdem genug. "Ich liebe Expeditionsbergsteigen", so die durchtrainierte Spittalerin. Erst kürzlich kam sie von einer Tour aus Marokko zurück. Auch hierzulande zieht es sie immer wieder hoch hinaus: etwa auf die Hochalmspitze - einer ihrer Lieblingsberge. Ausdauer und Kondition beweist Gradnitzer nicht nur beim Bergsteigen, sondern auch im Job. "Bei der Ausbildung zur Flugretterin war ich die einzige Frau und noch dazu die jüngste im Team." Natürlich habe es anfangs Skeptiker gegeben. Motto: Wie will eine Frau das schaffen? "Nur die eigenen Kollegen, die haben nie an mir gezweifelt", sagt Gradnitzer. Und sie selbst habe sowieso immer gewusst, dass sie körperlich in der Lage ist, als Flugretterin zu arbeiten. "Mir war bewusst, dass ich in eine Männerdomäne eindringe. Aber mir war das nicht so wichtig. Ich musste ja niemandem etwas beweisen. Ich wollte nur Flugretterin werden."
Mittlerweile hat die "nicht verheiratete und noch kinderlose" Überfliegerin viel Routine. Die Arbeit beim Rot-Kreuz-Rettungshubschrauber möchte sie nicht missen. "Es erfüllt mich mit Stolz, in einem so tollen Team zu arbeiten. Manchmal kommt es mir vor, als ob wir eine Familie wären." Aber auch die Patienten und die vielen Einsätze mit "Happy End" geben Gradnitzer Kraft.
"Erst kürzlich besuchte mich wieder ein Patient mit seiner Frau bei der Flugeinsatzstelle. Der Mann war von uns eine Dreiviertelstunde reanimiert worden. Und nach einigen Wochen steht er plötzlich gesund und fit vor mir, bringt Kaffee und Kuchen und bedankt sich. Das ist einfach wunderschön."
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