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Der Gipfel

Anatoli Boukreev wird vielen durch das Buch "In eisige Höhen" von Jon Krakauer bekannt sein. Er war neben Neal Beidleman und dem Expeditionsleiter Scott Fischer, der bei diesem Unglück ums Leben gekommen ist, der dritte Bergführer der Mountain Madness Expedition.

In seinem Buch sprach Krakauer ihm einerseits ab, im Team arbeiten zu können und warf ihm Alleingänge und mangelnde Hilfsbereitschaft vor, was den Expeditionsleiter und andere Mitarbeiter zu kräfteraubenden Mehreinsätzen "gezwungen" hätte und indirekt für den Tod seiner Kollegen beim Abstieg mitverantwortlich sein sollte. Andererseits stellte Krakauer die selbstlosen Lebensrettungseinsätze von Boukreev später im Verlauf der Katastrophe auf dem Südsattel des Mount Everest sehr positiv heraus.

Mit dieser Darstellung seiner Tätigkeit als Bergführer kam Boukreev jedoch nicht klar, und schrieb seinerseits unter Mithilfe einiger amerikanischer Freunde einen Leserbrief an das Magazin, für das Krakauer arbeitete. Der Chefredakteur bot ihm an, dass er den Leserbrief auf 400 Zeichen kürzen solle, andernfalls könne er ihn nicht veröffentlichen. Boukreev lehnte ab, er könne nicht in 400 Zeichen beschreiben, was dort oben vor sich gegangen ist.

Gemeinsam mit Weston DeWalt verfasste Boukreev das Buch "Der Gipfel", in dem er seine Sicht zu dem Unglück in Worte fassen konnte. Wer das Buch von Krakauer gelesen hat, sollte auch die Version von Boukreev lesen, erst dann wird einem die Tragik dieser Expedition klar. Boukreev ist keineswegs der "Bösewicht" oder Einzelgänger, wie er in "In eisige Höhen" dargestellt wird. Anatoli Boukreev wird nicht nur als Extrembergsteiger und Bergführer beschrieben, sondern auch als Mensch, und gerade diese Seite wird in dem anderen Buch ausgelassen.

Auch aufgrund von Boukreev´s Willen und Stärke konnten 5 von 6 Personen, die sich beim Abstieg auf dem Südsattel verirrt hatten, gerettet werden. 3 davon wurden durch Boukreev gerettet, nur Yasuko Namba konnte auch er nicht mehr helfen. Dessen Mann traf er ein Jahr darauf bei einer weiteren Expedition in Kathmandu und unterhielt sich mehrere Stunden mit ihm. Bei dieser Expedition für ein indisches Team bestattete er auch seinen Freund Scott Fischer (und auch Yasuko Jamba) am Everest.

Wer über das Unglück am Everest noch mehr lesen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen, es zeigt eine andere Sichtweise, und beschreibt auch den Menschen Anatoli Boukreev sehr gut.

Leider kam Anatoli Boukreev kurz nach der Veröffentlichung des Buches am 25. Dezember 1997 durch ein Lawinenunglück an der Annapurna ums Leben, wo er versucht hatte, im Winter eine neue Route zum Gipfel zu finden. Seine Leiche konnte nicht gefunden werden. Nahe dem Annapurna-Basecamp (4.120 m), mit Blick auf den Annapurna-Hauptgipfel, wurde zur Erinnerung an Boukreev ein kleiner, heute mit zahllosen buddhistischen Gebetsfähnchen geschmückter Stupa mit einer Gedenktafel errichtet.

Bibliographie:
Boukreev. Anatoli; DeWalt, G. Weston: Der Gipfel (The Climb), 1. Auflage 2004, Taschenbuch, 304 Seiten, Heyne Verlag, ISBN: 978-3-453-40569-1

Interessante Links

Anatoli Boukreev (Wikipedia)
Unglück am Mount Everest 1996 (Wikipedia)