Lawinengefahr ist kein unbeherrschbares Mysterium. Entstehungsgebiete und Lawinen selbst sehen oft harmlos aus. Alle Lawinen sind für Verschüttete lebensgefährlich, selbst kleine Schneebretter. Vermeiden Sie solche Unfälle um jeden Preis! Ein wesentlicher Schlüssel zum Selbstschutz ist die Steilheit von Hängen bei Aufstieg UND Abfahrt - je nach den Gefahrenstufe(n), die von den Warndiensten tagesaktuell publiziert werden. Was tun? Und was, wenns wirklich hart auf hart geht?

Was können Sie - auch als Laien - zu Ihrem Schutz tun, wenn Sie gesicherte Wintersport-Gebiete bei Seilbahnen und Liften verlassen - ob als Variantenfahrer, Freerider, Snowboarder und/oder Tourengeher? In den meisten Fällen sehen Todesgefahren sogar eher harmlos aus und sind gar nicht so groß: Die Zerstörungskraft von Schneebrettern und Lawinen wird aber oft unterschätzt. Geraten Sie NIE in diese Naturgewalten! Tun Sie alles, um solche Unfälle zu vermeiden! Sie sind IMMER SEHR GEFÄHRLICH FÜR LEIB UND LEBEN.
Nehmen Sie abseits von Pisten bitte immer die empfohlene Notausrüstung mit - und zwar pro Person folgende Gegenstände:
1. Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS-Gerät) – eingeschaltet und am Körper unter dem obersten Kleidungsstück getragen
2. Lawinensonde (im Rucksack)
3. Lawinenschaufel (im Rucksack)
Zusätzlich wird empfohlen: Mobiltelefon, Orientierungsmittel, Erste Hilfe, Biwaksack und ev. Airbagrucksack, zusätzlicher Wärmeschutz.

Kameradenhilfe wirkt
Die effiziente Anwendung von Lawinen-Verschütteten-Suchgerät und der weiteren Ausrüstung muss jedoch regelmäßig geübt werden um in der Stresssituation einer Lawinenverschüttung zu funktionieren. Wer das nicht kann oder will, sollte sich für alle Aktivitäten abseits von Pisten in die Obhut eines staatlich geprüften Berg- und Skiführers begeben. Zu empfehlen sind auch spezielle Lawinenkurse der Österreichischen Bergsteigerschulen. Nur mit den oben genannten Ausrüstungsgegenständen ist rasche Hilfe (Kameradenhilfe) für Lawinenopfer möglich. Diese „Kameradenhilfe“ innerhalb der ersten Minuten ist am effizientesten, weil bis zum Eintreffen von Bergrettern und Hundeführern oft überlebensnotwendige Zeit vergeht! Der Einsatz von Hubschraubern ist wetterabhängig und daher nicht immer möglich.
Verhaltensempfehlungen abseits von Pisten:
Steilere Hänge werden grundsätzlich einzeln begangen oder befahren. Der Rest einer Gruppe beobachtet das Geschehen von einem sicheren Standort, um im Notfall rasch helfen zu können.
- Nie allein abseits von gesicherten Pisten - weder beim Variantenfahren noch beim Skitourengehen.
- Entsprechende Tourenplanung mit Lawinenwarn- und Wetterbericht.
- Nie ohne Notfallausrüstung (LVS-Gerät, Schaufel, Lawinensonde und ev. Airbag-Rucksack).
- Die Notfallausrüstung sollte bei jedem Mitgliedern der Gruppe vorhanden sein.
- Ein Training zur praktischen Anwendung der Notfallausrüstung sollten alle Gruppenmitglieder absolviert haben.
- Ab Warnstufe 3 immer nur Hänge befahren oder begehen, die weniger als 35 Grad steil sind.
- Im Aufstieg Steilhänge (steiler als 30 Grad) mit Entlastungsabständen (10 Meter) begehen.
- Bei der Abfahrt Standardabstand 30 Meter, ab 35 Grad Einzelfahren.
- Sperrzonen immer beachten (Liftbereich, Jagd- und Forstliche Sperrgebiete).

Wenn in Medien außerhalb der Fachwelt von Lawinen die Rede ist, werden Berichte oft mit Bildern riesiger Staublawinen garniert, die ganze Täler verwüsten können. Natürlich gibt es solche Naturkatastrophen, und sie sind äußerst folgenschwer. Sie betreffen allerdings selten den "normalen" Winter- und Bergsport.
Viele Lawinen-Unfälle von Wintersportlern betreffen so genannte "Schneebretter" oder Nassschnee-Lawinen, von denen die meisten viel harmloser aussehen, als sie sind. Im Grunde reicht für den Erstickungs- und/oder Verletzungstod eine Badewanne voll nassem Schnee, wenn ein Opfer unglücklich darin verschüttet würde. Bergretter finden manchmal Tote, die nur zwanzig Zentimeter unterhalb der Oberfläche in Schneemassen "einbetoniert" sind. Auch in relativ lockerem Schnee ist das Opfer nahezu bewegungsunfähig, wenn ganze Gliedmaßen und Körperteile verschüttet sind. Fazit: Auch relativ geringe Schneemengen, die vom Wind auf Steilhängen und in Rinnen als "Schneebretter" angelagert wurden, können extrem zerstörerisch und lebensgefährlich sein.

Nur selten gelingt es, durch schnelle Reaktion und Schussfahrt aus dem Gefahrenbereich zu kommen, wenn ein ganzer Hang wegbricht. Voraussetzungen:
• Frühzeitiges Spüren des Abganges während des Skifahrens. Eigener Stillstand führt oft zur Verschüttung.
• Gutes Können beim Skifahren, sicheres Fortbewegen unter Stress und hoher Geschwindigkeit.
• Bei Sturz, falls wenig Zeit: Raus aus den Bindungen, Fangriemen und Skistöcke weg! Kämpfen Sie gegen die Lawine! Wehren Sie sich gegen das Hinuntergezogenwerden!
• Hände vor das Gesicht, wenn Sie merken, dass die Lawine langsamer wird. Freiraum schaffen vor dem Mund für eine Atemhöhle.
• Kraft sparen. Wer nicht beim ersten Versuch die Schneedecke durchstoßen kann: Weitere Versuche sind zwecklos und kosten wertvolle Atemluft.

Wann sind Chancen am größten?
• Keine lebensgefährlichen Verletzungen durch Steine oder Bäume, über die das Opfer unter den Schneemassen gezogen wird.
• Aus der Sicht des Opfers: Ruhe bewahren um jeden Preis. Hoffen! Bevor Bergretter und Suchhunde zu Fuß oder im Hubschrauber kommen, wird das Opfer vielleicht schon von den eigenen Begleitern und Freunden mittels LVS-Geräten gefunden. Dazu müssen aber alle in der Gruppe damit ausgerüstet sein! Der Anmarsch oder Anflug von Profis ist jedoch selten unter einer halben Stunde möglich; bei Schlechtwetter oder Nebel dauert er meistens länger. DESHALB: Kameradenhilfe durch gut ausgerüstete Begleiter und Augenzeugen ist immer die beste und schnellste Hilfe!
Begleiter und Augenzeugen sollten vor Beginn ihrer Suche nach verschütteten Gefährten unbedingt unsere Einsatzkräfte verständigen - zum Beispiel via Mobiltelefon. Falls kein Empfang oder nicht vorhanden: Ein Gruppenmitglied fährt ins Tal und alarmiert. Die anderen beginnen mit Kameradenhilfe und Suche. Damit nicht alle Mitglieder einer Gruppe verschüttet werden, sollten steile und verdächtige Hänge immer nur einzeln befahren oder begangen werden. Der Rest der Gruppe beobachtet das Geschehen von sicherem Standort.

Kameradenhilfe kann sehr schnell und effektiv sein. Falls Kameradenhilfe durch Laien nicht gelingt, dann bleiben noch immer einige Chancen, wenn unsere bestens ausgebildeten Helfer der Bergrettung und Hundeführer zum Einsatz kommen. Diese haben mit ihren Tieren schon Leute lebend herausgeholt, die eine Stunde oder noch länger verschüttet waren. Überlebende Opfer berichten über gewaltigen Schneedruck, der den ganzen Körper, Mund und Augen quält.
Dennoch bleiben auch unter dem Schnee ein paar Möglichkeiten, die eigenen Chancen zu erhöhen:
• Kleine Atemhöhle, Hände vor`s Gesicht – das geht nur ohne Stockschlaufen beim Abgang der Lawine (in Panik oft nicht zu befolgen). Möglichst ruhig bleiben, wenn Sie in einer Lawine geraten.
• Begleiter müssen rasch handeln, über LVS-Geräte verfügen und diese gut handhaben können. Immer wieder praktisch im Schnee üben! Schaufeln und Sonden sollten in der Gruppe immer vorhanden sein.
• Ski oder Snowboards sind völlig ungeeignet zum Graben. Damit verpulvert man sinnlos alle Kräfte.
• Schreien, wenn Retter direkt über Ihnen sind. Dann mit ganzer Kraft.

Wer „kürzer“ als 35 Minuten in der Lawine ist, führt als Opfer seinen/ihren Überlebenskampf gegen das Ersticken bzw. mögliche schwere mechanische Verletzungen. Unterkühlung spielt hier noch weniger Rolle.
Erster "Knackpunkt" bei ca. 35 Minuten
Wer länger als 35 Minuten durch eine mehr oder weniger große Atemhöhle in den Schneemassen am Leben bleiben kann, für den/die wird die Unterkühlung zum lebensbedrohlichen Faktor. Diese muss im Fall einer Lebendbergung speziell bekämpft werden und ist nicht einfach unter Kontrolle zu bringen. Erfahrung: Ohne Atemhöhle - mit Schnee in Mund und Nase - ist ein Opfer nach spätestens zehn Minuten tot. Unterkühlte Opfer müssen bergetechnisch wie „rohe Eier“ behandelt werden – damit sich nicht bei der Rettung kaltes Blut aus den Gliedmaßen mit Kernblut aus Hirn, Herz, Lunge und Bauch vermischt. Werden Unterkühlte zu viel bewegt oder kommen nicht rasch genug ins Krankenhaus, herrscht weiter höchste Lebensgefahr. Als besonders kritische Grenze gelten 32 Grad Celsius als Kerntemperatur des Körpers (gemessen über Sonde im Ohr des Opfers).
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Wikipedia: Was sind Lawinen und Schneebretter?
Alle Lawinenwarndienste Österreichs im Überblick:
www.lawine.at
Tirol
Salzburg
Vorarlberg
Kärnten
Steiermark
Oberösterreich
Niederösterreich
Bayern
Südtirol
Norditalien- weitere Regionen
1 bis 5: Wie funktionieren Warnstufen?
Junge Snowboarder und Lawinen:
Artikel aus der Fachzeitschrift "berg & steigen" über Risiko-Management & Peer Group Education (PDF)
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Zusammenstellung, Quellen:
- Klaus Wagenbichler - Bundesfachreferent für Lawinenkunde im Bergrettungsdienst
- Gerald Lehner - Bundesfachreferent für Öffentlichkeitsarbeit